Für Auswanderer gehört die Suche nach einem neuen Zuhause in Neuseeland mit zu den ersten Herausforderungen. Als Neuankömmling kennt man sich meist in der jeweilgen Stadt nicht aus und hat kaum Anhaltpunkte auf was man achten muss. Auch aus Emails von vielen Bloglesern weiß ich, dass die Suche nach einem passenden Haus (egal ob zur Miete oder als Eigenheim) oft größere Probleme bereitet als gedacht. Darum habe ich die wichtigsten Punkte mal hier zusammengefasst:

1. Immobilien und Wohnungsanzeigen

Anders als in Deutschland wird in Neuseeland die Quadratmeterzahl von Wohnungen und Häusern in den Anzeigen nicht aufgeführt. Statt dessen ist nur die Rede von “1 Bedroom” oder “4 Bedrooms” Das Haus hat natürlich auch eine Küche, ein Wohnzimmer und ein Bad. Die Anzahl der Schlafzimmer hilft zwar bei der Auswahl. Rückschlüsse auf die Größe des Hauses lassen sich aber nur bedingt ziehen.

Ein “Double Bedroom” ist  ein Zimmer das wenigstens ein 1,40cm breites Doppelbett aufnehmen kann, ein “Single Room” ist mehr oder weniger eine 4qm Schuhschachtel wo nur ein Einzelbett reinpasst. Der Mietpreis wird in Neuseeland übrigens pro Woche angegeben und auch wöchentlich bezahlt.

2. Wo soll man suchen?

Das größte Angebot an Häusern und Wohnungen zur Miete und zum Kauf findet man landesweit auf Trademe . Dort eine Anzeige zu veröffentlichen ist aber relativ teuer und so kann es durchaus Sinn machen mal einen Blick in eine lokale Zeitung zu werfen. Auch lokale Real Estate Agents und Mietverwalter haben oft Häuser im Angebot die sonst nirgends zu finden sind. Dort muss man sich als Mietinteressent registrieren um an die Angebote ranzukommen und zahlt häufig eine Vermittlungsgebühr. Die großen Real Estate Firmen die landesweit vertreten sind heißen: Ray White, Barefoot & Thompson, Bayleys, LJHooker, Hartcourts und Mike Pero.

3. Neuseeländische Häuser

In Neuseeland sind Häuser traditionell mit Holzständerwänden gebaut. Das bedeutet, alle Wände bestehen aus ein einem Holzgerüst auf das von außen eine wetterfeste Fassade drauf kommt (Holzbretter) und von innen Gipskartonplatten. Dazwischen ist meist Luft. Wenn ein Haus gemauert aussieht bedeutet das nicht dass es ein Steinhaus ist. Die meisten Häuser, die Außenmauern aus Stein haben wurden trotzdem mit hohlen Holzständerwänden gebaut.

Nur anstatt der Hozfassade haben sie eben einen Steinfassade. Die neuseeländischen Häuser haben keinen Keller sondern stehen ca 50cm über der Erde auf Holzpfosten. Die Fenster sind meist einfachverglast und haben keine Rollläden.

Wer nicht in einem Haus wohnen will, das sich wie eine windigen Gartenlaube anfühlt sollte nach einem modernen Haus ausschau halten. Je neuer das Haus desto besser ist es vermutlich isoliert. Je romantischer und älter das Haus aussieht, umso kälter ist es im Winter.

Ein Haus umgeben von Büschen und Bäumen kann kalt und feucht sein

Ein Haus umgeben von Büschen und Bäumen kann kalt und feucht sein

4. Innenraumklima

Einer der Gründe warum man niemals ein Haus ungesehen mieten oder kaufen sollte ist das weit verbreitete Schimmelproblem. Bis zu 50% der neuseeländischen Häuser schimmeln. Durch die einfachverglasten Fenster und die unzureichenden Heizmöglichkeiten kondensiert in der kalten Jahreszeit nachts die Luftfeuchtigkeit an den Scheiben und man hat es mit ungeahnten Mengen an Wasser und Feuchtigkeit im Haus zu tun. Auch deshalb leiden so viele Kiwis unter Asthma. Einige Häuser haben ein Lüftungssystem (zb von HRV) dass die Raumluft austauscht bzw herumpumpt. Das kann helfen, ist aber auch nur ein armseliges Hilfsmittel und keine Lösung. Es ist immer besser ein Haus an einem regnerischen Wintertag zu besichtigen als im Sommer. Meist merkt man sofort wenn ein Haus klamm und feucht ist. Dann lieber Finger weg!

5. Isolierung

In Immobilenanzeigen wir oft damit geworben wenn ein Haus isoliert ist. Wurde es nachträglich isoliert muss das noch nicht viel heißen denn auf die Qualität der Isolierung kommt es an. So zählt es schon zB als “Underfloor Insulation” (Holzboden von unten isoliert) wenn eine windige 2cm Filzmatte unters Haus getackert wurde.

6. Lage in der Landschaft

Nein, damit meine ich nicht die schöne Aussicht sondern die Position zur Sonne. Wohnt man in einem Holzhaus, lebt man viel näher am Wetter als man das von den deutschen Häusern her gewohnt ist. Umso wichtiger ist es dass das Haus zB im Winter in der Sonne steht. So kann es sich nämlich wenigstens etwas aufwärmen.

Wohnt man zB auf der falschen Seite eines Hügels kann es passieren, dass man im Winter komplett im Schatten sitzt. Das macht sich bei den Heizkosten enorm bemerkbar. Dabei muss man wissen dass die Sonne in Neuseeland im Norden steht. Ein Haus an einem Südhang mag sich aus europäischer Sicht gut anhören: Auf der Südhalbkugel bedeutet das Schatten. Die Sonne geht in Neuseeland im Osten auf und wandert nach Norden um dann im Westen unterzugehen.

Ein Haus in einem Flusstal oder allgemein am Fuße eines Hügels würde ich auch nicht empfehlen. Dort ist es im Winter recht feucht. Auch zu viel Vegetation bringt Feuchtigkeit mit sich. Am besten ist ein freistehendes Haus ohne viele Bäume mit großen Fenstern nach Norden (wo die Sonne steht)

7. Heizquellen in Neuseeland

Ein schwieriges Thema. Der Vermieter muss laut Gesetz eine Heizung zur Verfügung stellen. In der Realität heißt das aber nicht viel. In der Regel gibt es nur eine Heizquelle im Wohnzimmer: Ein Holzofen oder eine Heatpump (Klimaanlage zum Heizen). Ein Holzofen ist noch die günstigste Methode zu heizen, allerdings muss man sich mit dem Holzschleppen und Holzhacken anfreunden. Heatpumps sind bequemer aber ziemliche Stromfresser. In den Schlafzimmern versucht man mit allerlei Heizlüftern oder Heizplatten zu heizen. Die kosten noch mehr Strom und bringen meist nicht viel. Manche Häuser haben ein Lüfungssystem (Heat Transfer System) um warme Luft vom geheizten Wohnzimmer in andere Räume zu pumpen. Geht man im Sommer auf Haussuche sollte man sich zumindest Gedanken machen wie man im Winter die Bude warm kriegen will.

Auf der Karte von Chorus sieht man wo in Neuseeland schnelles Internet zur Verfügung steht

Auf der Karte von Chorus sieht man wo in Neuseeland schnelles Internet zur Verfügung steht

8. Internetgeschwindigkeit in Neuseeland

In den Städten hat man eigentlich überall relativ gute Internetverbindung. Nach und nach hat man sogar fast überall Zugang zu “Fibre” (einem Glasfaseranschluss). Davon sollte man sich aber nicht zuviel versprechen, denn das Nadelöhr ist nach wie vor das EINE Kabel dass uns mit dem Rest der Welt verbindet.
Am Stadtrand muss man genau aufpassen was noch für Internet zurVerfügung steht. Auf dem Land muss man teilweise sogar auf sehr teueres Satelliten-Internet mit sehr begrenzter Datenmenge zurückgreifen. Die Firma Chorus ist in Neuseeland für den Ausbau des Internets zuständig und auf deren Website kann man auf dieser Karte genau nachschauen welche Internetgeschwindigkeit an welcher Adresse per Kabel zur Verfügung steht.

9. Wasserversorgung

Die meisten Häuser in den Städten haben einen normalen Wasseranschluss (Town Supply). Träumt man von einem Häuschen auf dem Land oder am Stadtrand hat man meist keinen Wasseranschluß. Viele Häuser in ländlicheren Gebieten haben einen eigenen großen Wassertank wo Regenwasser aufgefangen und gefiltert wird. Das Tankwasser ist im Prinzip unbedenklich aber für Schwangere ist es glaube ich nicht ratsam in solchen Häusern Leitungswasser zu trinken. Hat man einen Wassertank wird man sich dran gewöhnen im Sommer bei Trockenheit nur kurz zu duschen bzw immer mal einen Tankwagen zu bestellen der dann teueres Wasser anliefert.

 

Triste Straße mit Sozialwohnungen in Neuseeland

Triste Straße mit Sozialwohnungen in Neuseeland

10. Gute und Schlechte Straßen

In Neuseeland gibt es in fast allen Städten gute und schlechte Straßen bzw Wohngegenden. Das bedeutet nicht dass man dort gleich überfallen wird, aber wohnen möchte man dort nicht. Die Leute dort haben einfach andere Lebensgewohnheiten und sind anders sozialisiert. Wer möchte schon einen Nachbarn haben der den ganzen Tag in der Garage mit dem Gettoblaster laut Musik hört oder seine 4 kläffenden Kampfhunde im Vorgarten angebunden hat? Straßen mit Sozialwohnungen erkennt man wenn man sie sieht. Wer sicher gehen will kann Einheimische oder auch Real Estate Agents fragen wo die nicht so guten Gegenden sind.

11. Schulzonen

Die meisten Schulen in Neuseeland haben eine School Zone. Das bedeutet um sein Kind auf diese Schule schicken zu können muss man innerhalb der Zone wohnen. Zwar wird auch ein gewisser Prozentsatz von Schülern aufgenommen die außerhalb der Zone wohnen, aber diese Plätze sind meist schwer zu kriegen. Haus und Mietpreise in guten Schulzonen sind natürlich höher als in schlechten. Es gibt auch Schulen die keine Zone haben, zB Privatschulen. Hier gibts mehr Infos zu dem Schulzonen.

So, ich hoffe das hilft dem ein oder anderen bei der Suche nach einem neuen Zuhause in Neuseeland. Markus und ich sind in den ersten 1,5 Jahren 3 Mal umgezogen bis wir gelernt hatten worauf es bei einem Haus in Neuseeland wirklich ankommt.