Wenn Neuseelands Population Clock exakt ist, dann leben momentan gerade 4.968.785 Menschen in Neuseeland (Stand Juni 2019). Schon bis Ende des Jahres 2019/Anfang 2020 könnte Neuseeland die 5-Mio-Einwohner-Marke knacken.
Im Jahr 2017 hatte Neuseeland mit 2,1% das größte Bevölkerungswachstum aller OECD Staaten. In 2018 waren es immerhin noch 1,9% Bevölkerungswachstum. Auch wenn sie wollte: Die neuseeländische Regierung kann die Zuwanderung von Fachkräften gar nicht wirklich reduzieren, denn in vielen Wirtschaftsbereichen (zB IT, Krankenversorgung, Baubranche) herrscht großer Fachkräftemangel.

Über das letzte Jahrzehnt hat sich Neuseeland zu einem extrem beliebten Einwanderungsland entwickelt. In einer Umfrage wurden weltweit 500.000 Menschen in 152 Ländern befragt, in welches Land sie gerne auswandern würden. Neuseeland landete dabei auf Platz 1, gefolgt von Singapur (2) und der Schweiz (3). Berechnungen dieser Studie ergaben, dass wenn man allen Menschen, die gerne in Neuseeland leben würden, erlauben würde tatsächlich hier einzuwandern, dann würde Neuseeland’s Bevölkerung über Nacht von 5 Mio auf 11 Mio anwachsen. Natürlich ist das nur eine fiktive Statstik, aber einen gewissen Trend kann man da sicherlich erkennen.

Bevölkerungswachstum Neuseeland Zuwanderung

Bevölkerungswachstum Neuseelands seit 1980, Quelle: Weltbank

Mehr Menschen wandern aus

Einige US-Amerikaner verlassen wegen Donald Trump ihre Heimat. Der Brexit bringt Unsicherheit nach Großbritannien und die Briten wandern aus. Europa ist im letzten Jahrzehnt allgemein nicht unbedingt sicherer geworden: Konflikte mit Russland, illegale Zuwanderung und Terror-Anschläge haben bestimmt auch dazu begetragen, dass Europäer ihre Heimat verlassen.

Auswandern ist auch keine so große Sache mehr wie füher. Durch bezahlbare Flugverbindungen, Skype und das Internet ist man als Auswanderer gefühlt nicht mehr so weit weg von der Heimat, wie noch vor 15 Jahren. Es gibt heutzutage viel mehr Möglichkeiten und die ganze Welt ist einfach mobiler geworden. Wo in früheren Jahrzehnten hauptsächlich Briten und West-Europäer nach Neuseeland ausgewandert sind, bewerben sich heute auch gut qualifizierte Rumänen, Bulgaren, Türken, Brasilianer, Inder und Chinesen um Visa.

Aber ist so viel Bevölkerungswachstum gut für Neuseeland?

2% Bevölkerungswachsung sind sehr viel… Aber ja, sicher hat es für ein kleines Land wie Neuseeland diverse Vorteile seine Einwohnerzahl zu erhöhen! Flächenmäßig ist Neuseeland mit 268.021 km² etwas größer als “die alten Bundesländer” der BRD, also gibt es noch massig Platz. Im Gegensatz zu Australien (ca 25 Mio Einwohner) betreibt Neuseeland noch eine Politik die aktiv unterstützt, dass die Bevölkerungszahl zunimmt.

Neuseeland profitiert von seinen Einwanderern

Jeder neue Skilled Migrant (einwandernde Fachkraft) ist ein neuer, zusätzlicher Steuerzahler für Neuseeland. Langfristig macht sich das positiv in der Staatskasse bemerkbar. Außerdem vergrößert sich durch Zuwanderung der Binnenmarkt: Alle Einwanderer und ihre Familien kaufen fortan Waren und Dienstleistungen in Neuseeland ein. Sie kaufen nach ihrer Ankunft ein Auto, Möbel, sie gehen zum Friseur usw. In der Masse (ca 70.000 Einwanderer) kurbelt das natürlich die neuseeländische Wirtschaft an! Von der dadurch eingenommenen Mehrwertsteuer mal ganz zu schweigen.

Wie viele andere Länder, hat auch Neuseeland das Problem einer alternden Gesellschaft (siehe Grafik unten). Zwar ist das Demografieproblem (immer mehr Rentner, immer weniger junge Menschen) lange nicht so schlimm wie in Deutschland, aber auch hier in Neuseeland macht man sich Gedanken um die Zukunft. Gezieltes Bevölkerungswachstum kann dem Demografieproblem entgegenwirken. Schon heute kann man sich nur bis zu einem Maximalalter von 55 Jahren für ein Resident Visa bewerben. In der Realität wird es aber für die meisten Einwanderer schon ab 40 Jahren deutlich schwieriger die notwendige Punktzahl für ein Resident Visa zu erreichen. Der mit Abstand größte Anteil der deutschen Einwanderer in Neuseeland ist 30 – 39 Jahre alt. In diesem Alter hat man meist die erforderliche Qualifikation und Berufserfahrung, und ist noch jung genug um einige Punkte für sein Alter zu erhalten.
Neuseeland ist ein kleines Land und wenn die Regierung die Zuwanderung auch in Zukunft so regelt, dass vermehrt jüngere Menschen nach Neuseeland einwandern, dann muss man sich in Neuseeland wohl keine Sorgen um seine Rente machen.

Demografie Neuseeland Deutschland im Vergleich

Demografie von Neuseeland Deutschland im Vergleich. Quelle: CIA World Fact Book

Ist die Bevölkerungszahl höher, wird Neuseeland auch für große Konzerne als Absatzmarkt attraktiver. Bisher gibt es in Neuseeland leider in vielen Bereichen nicht viel Auswahl wenn es ums Einkaufen geht. In einigen Branchen haben sich wenige Anbieter ein Monopol eingerichtet und diktieren die Preise. So gibt es in Neuseeland zB momentan nur 2 große Konzerne die Supermärkte betreiben. Die Preise für Lebensmittel sind relativ hoch, auch weil es keinen wirklichen Wettbewerb gibt. Jetzt wo Neuseeland bald die 5 Mio Einwohner Marke knacken wird, hat der US-amerikanische Retail Riese Costco angekündgt 2021 auf den neuseeländischen Markt zu kommen. Experten sagen, das wird das Monopol auf dem neuseeländischen Lebensmittelmarkt aufbrechen und die Preise könnten merklich sinken.
Auch der Möbelriese IKEA plant Geschäfte in Neuseeland eröffnen und will damit den Möbel- und Haushaltswarenmarkt in Neuseeland aufmischen. Je mehr Einwohner Neuseeland hat, desto besser und günstiger wird die Auswahl für die Verbraucher.

Neuseelands Probleme durch das rasante Bevölkerungswachstum

Natürlich bringt dieses ransante Bevölkerungswachstum auch massive Probleme mit sich:
Der Wohnraummangel hat mittlerweile ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen. In vielen neuseeländischen Städten übersteigt die Nachfrage bei Weitem das Angebot an Häusern und Apartments. Als Einwanderer betrifft einen das zwar nur bedingt: Deutsche, die gut verdienen sind meist gern gesehene Mieter, denn sie gelten als sauber und haben den Ruf pünklich die Miete zu bezahlen. Aber zB einheimische Familien mit vielen Kindern und geringem Einkommen oder Leute die unregelmäßigen Jobs nachgehen haben oft das Nachsehen: Sie finden keine Wohnungen mehr. Die Auswirkungen sieht mein Mann täglich bei seiner Arbeit als Real Estate Fotograf: Ein Mietobjekt soll verkauft werden und für die Anzeige müssen alle Räume fotografiert werden. Oft zählt er 12 und mehr Zahnbürsten in einem 90qm Haus. Überall im Haus stehen zusätzliche Maratzen und das Haus ist merklich abgewohnt. Die Leute finden nichts zum wohnen und kommen bei Verwandten unter. Das sogenannte “Overcrowding” ist ein großes Problem. Immer wieder hört man in den Medien von Familien die in Garagen oder Autos wohnen müssen, weil sie nichts finden.

Bevölkerungswachstum Auswandern Neuseeland

Beim Zensus 2018 sollten genau diese Daten erfasst werden: Jeder Haushalt sollte angeben, wie viele Personen dort leben. Das Resultat: Eine große Zahl von Bürgern hat beim Zensus 2018 keine oder nur lückenhafte Angaben gemacht. Die Teilnehmerquote beim Zensus war so gering, dass die Daten quasi kaum verwendet werden können. Natürlich will niemand offiziell angeben, dass er mit 12 anderen Personen in einem kleinen Haus mit 3 Schlafzimmern lebt.
Es müssen dringend mehr Häuser gebaut werden, aber dafür fehlen die Handwerker! Also werden Einwanderer aus dem Ausland eingestellt – die aber dann auch irgendwo wohnen wollen. In viele Städten wird “nachverdichtet” aber das bringt ganz neue Probleme: In Auckland zB ist in vielen Stadtteilen die Kanalisation überlastet, weil so viele zusätzliche Häuser gebaut wurden. Auf “der grünen Wiese” zu bauen macht aber auch keinen Sinn, weil die Verkehrsanbindung fehlt. Gar nicht so einfach, dieses Wohraum-Problem zu lösen!

Aber nicht nur der Wohnraum wird knapp: In vielen größeren Städten kommt regelmäßig der Verkehr zum erliegen, weil immer mehr Menschen im Auto unterwegs sind. In Tauranga zB habe ich selbst miterlebt, wie aus einer beschaulichen Stadt mit mäßigem Verkehr innerhalb von 8 Jahren ein Traffic-Moloch wurde. Überall wird hastig gebaut um den Verkehr am fließen zu halten – mit mäßigem Erfolg.

Auch andere Infrastruktur wie Schulen und Krankenhäuser sind mancherorts mehr als ausgelastet. Neuseeland bräuchte tatsächlich mal eine Verschnaufpause, wenn es um Einwanderer geht. Jahr um Jahr ca 70.000 zusätzliche Menschen unterzubringen ist wirklich ein Kraftakt für das kleine Land. 70.000 Menschen – das ist eine ganze Stadt! Beschränken kann Neuseeland die Zuwanderung nur bedingt. Fachkräfte machen ja auch nur ein Teil der Einwanderer aus. Die Politik versucht genauer hinzuschauen, und verschärft die Regeln rund ums Einwandern an vielen Stellen. Für die Einwanderer bedeutet das: Mehr Nachweise und mehr Papierkrieg. Früher zB konnte man über ein Studium in Neuseeland relativ einfach einwandern. Heutzutage muss man auch hier viele Kriterien erfüllen. Fest steht: Neuseeland wird auch weiterhin Fachkräfte aus dem Ausland brauchen. Ich glaube nur, dass der bürokratische Aufwand nach Neuseeland einzuwandern damit eher größer als kleiner wird.