In den 7 Jahren, seit wir nach Neuseeland ausgewandert sind, waren Markus und ich ein einziges mal zurück in Deutschland: Das war 2014 zur Hochzeit meiner Schwester. Damals haben wir uns breitschlagen lassen, weil ich nur diese eine Schwester habe und es schon ein wichtiger Event für die Familie war. Unser Deutschland-Trip war aber extrem kurz: 9 Tage inklusive An-und Abreise. Das lang unter anderem daran, dass die Hochzeit relativ kurzfristig angekündig wurde (zumindest für jemanden der 18.000km Anreise hat) und ich meinen Jahresurlaub eigentlich schon aufgebraucht hatte…

Wenn ich mit alten Freunden aus Deutschland auf Whatsapp oder Facebook ins Gespräch komme, dann werde ich immer mal gefragt: “Wann kommt ihr denn mal wieder nach Deutschland?”. Viele unserer deutschen Freunde haben wir seit unserer Auswanderung 2011 nicht mehr “in echt” getroffen und natürlich würden die auch gerne mal unsere Kinder kennenlernen. Ich sagen dann immer: “Nee, sorry, also wir haben nicht vor, die nächsten Jahre nach Deutschland zu fliegen” und das hat eine ganze Reihe von Gründen:

1. Für Kiwis ist Urlaub im Ausland ein teuerer Spaß

Weil das Lohnniveau in Neuseeland verhältnismäßig niedriger ist, die Flugpreise aber relativ hoch sind, können es sich viele Kiwis gar nicht leisten ins Ausland zu fliegen. Wir haben in den letzten 4 Jahren ein Haus gekauft, das wir jetzt renovieren, und 2 Kinder bekommen. Da geben wir unser Geld momentan für andere Dinge aus. Zum Glück verdienen wir relativ gut, aber die 15.000$, die uns ein mehrwöchiger Familien-Trip nach Deutschland wahrscheinlich kosten würde, gebe ich ehrlich gesagt lieber für neue Doppelglasfenster für unser Haus aus.

2. Deutschland ist für mich kein attraktives Urlaubsland

Markus und ich sind immer gerne und viel gereist: Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam, Sri Lanka, Neuseeland…  Hauptsache warm und freundliche Menschen. Sicherlich wäre es nett, Nürnberg und unser “altes Revier” mal wieder zu sehen… Aber wenn ich schon viel Geld für eine Auslandsreise ausgebe, dann steht da eher Bali oder Tonga ganz oben auf meiner Wunschliste. Die Südseeinseln (Tonga, Fischi, Cook Islands usw) sind quasi das Mallorca von Neuseeland. Und das nähste Land für uns ist Australien – dort war ich auch noch nicht! Ganz zu schweigen davon, dass es auch in Neuseeland noch soo viel für uns zu entdecken gibt!

3. Es wäre unmöglich es allen recht zu machen

Bei unserem sehr kurzen Deutschland-Trip 2014 war klar, dass wir nicht alle unsere Freunde besuchen und treffen können. Wir waren wegen der Hochzeit angereist und verbrachten die meiste Zeit mit meiner Schwester und dem Rest der Familie. Sonst hatten wir auch überhaupt niemandem erzählt, dass wir in Deutschland sind. Zum Glück! So konnten wir ganz spontan freie Zeit zwischen den Veranstaltungen dazu nutzen, Freunde zu überraschen und uns mit ihnen treffen. Natürlich sind dabei viele auf der Strecke geblieben: “Waaas, ihr wart in Deutschland! Hättet ihr doch was gesagt.. !!! Bekamen wir nach unserer Reise zu hören.

Dabei ist es ganz egal wie lange der Deutschland-Trip dauert. Von anderen Deutschen, die in Neuseeland leben, weiß ich, dass die Zeit nie ausreicht um alle zu sehen: Tante Inge, die Cousine, der Ex-Kollege, die Freundin in Berlin, die Grundschul-Freundin. Ob man nun 9 Tage im Land ist oder 5 Wochen macht da keinen Unterschied. Irgendjemand ist am Ende immer beleidigt, weil man ihn nicht getroffen hat oder zu wenig Zeit mit ihm verbracht hat.

4. Wäre das wirklich Urlaub zum Kräfte tanken?

Natürlich freuen sich in Deutschland alle, wenn man sich mal wieder blicken lässt. Aber so eine Heimat-Reise ist schrecklich anstregend. Erst sitzt man ewig im Flugzeug und ist man endlich angekommen, dann verbringt man viel Zeit mit Rumfahren. Der Rechtsverkehr, die teilweise sehr aggressiven anderen Verkehrsteilnehmer und das Fahren mit Gangschaltung sind total ungewohnt (wir fahren in Neuseeland nur Automatik). Man hetzt eigentlich nur von einem Termin zum nächsten, um sich mit möglichst vielen Leuten zu treffen. Von Urlaub und Entspannung keine Spur. Ich fand das ohne Kinder schon stressig! So eine Tour mit 2 kleinen Kindern zu machen stelle ich mir furchtbar vor!

Außerdem hat man als normaler Festangestellter in Neuseeland gerade mal 20 Tage Urlaub pro Jahr. Sorry, aber meinen Urlaub verbringe ich lieber mit erholsamen Aktivitäten!

Heimaturlaub als Auswanderer

Ikea haben wir in Neuseeland leider nicht…

5. Ich würde die ganze Zeit nur essen und einkaufen

Eine Reise nach Deutschland an sich ist ja schon teuer genug, aber wenn man schonmal in Deutschland ist, dann muss man das auf jeden Fall zum Shopping nutzen: Wir fuhren gleich am ersten Tag zu Aldi und Kaufland. Dort sind wir wie kleine Kinder die Regale entlang gelaufen und haben gestaunt: Amaretto für 5,99 EUR (in Neuseeland 45$), Parmesan für 1,79 EUR (in Neuseeland 7,99$), Nivea Soft für 2,45 EUR (in Neuseeland 13,99$) und ein Sechserpack Bier für 1,69 EUR ( in Neuseeland 12,99$). Gekauft haben wir nur Ritter Sport, Dr Oetker Gelierpulver und ein paar Knoppers.
Auf unserer Shopping-Tour durfte auch IKEA nicht fehlen! Zwar konnten wir keine Möbel kaufen, aber alleine mal wieder dort durchzuschlendern und das Hot Dog am Ende, war es schon wert. In Neuseeland gibt es keine IKEA, aber man kann die Möbel teilweise über Online-Shops teuer bestellen (zb Urban Sales oder Idiya). Beim Stadtbummel hab ich dann endgültig die Kontrolle verloren und mehrere Paar Schuhe und Klamotten gekauft.

Soweit ich mich erinnere hatte ich bei H&M ziemlich zugeschlagen, aber da gibt es ja mittlerweile ein Store in Auckland.
Mit wem wir uns auch trafen: Es war immer Essen im Spiel. Die Schwägerin hatte groß aufgekocht oder wir saßen mit Freunden im Kaffee, beim Griechen, beim Italiener oder im Biergarten. Am Ende der Reise war mein Handy voller Fotos von den leckersten deutschen Gerichten und die Hose saß etwas enger als zuvor.

Heimaturlaub als Auswanderer: Essen

Das fehlt mir in Neuseeland: Fränkisches Schäuferla mit Knödel!

6. Ist ja nicht so als ob wir nicht verfügbar wären

Ich werde zwar immer mal gefragt, wann wir mal wieder nach Deutschland kommen, damit man sich mal mit uns treffen kann. Aber ehrlich gesagt ist das doch eigentlich gar nicht notwendig. Wir leben im Zeitalter von Facebook, Whatsapp & Co. Wer mal wieder mit uns quatschen will, der kann uns ja ganz einfach (und kostenlos) auf Skype anrufen!

7. Andersherum ist es viel schöner

Wir wohnen in Neuseeland – einem sehr beliebten Urlaubsland! Da ist es mir viel lieber, wenn uns die Familie aus Deutschland hier in Neuseeland besuchen kommt. Ich weiß, Neuseeland ist kein billiges Reiseland und nicht jeder kann sich die Flüge leisten. Aber Markus und ich legen uns immer käftig ins Zeug und besorgen unserem Besuch gerne schon im Winter ein Auto oder einen Campervan, wenn man die noch nachgeworfen bekommt. So kann der Besuch dann gleich gut ausgerüstet seine Ausflüge starten und muss sich nicht in der Hochsaison mit den anderen Urlaubern um die überteuerten Campervans prügeln oder gar teuer was mieten. Wenn die Gäste wieder fahren, dann verkaufen wir das Gäste-Auto einfach wieder. Unser Gästehäuschen erfreut sich auch größter Beliebtheit: Im Sommer haben wir eigentlich immer irgendwelchen Besuch im Haus. Als Auswanderer sollte man also auf jeden Fall Platz für Gäste im Haus einplanen: Denn sie werden kommen!

Wir haben einige deutsche Freunde hier in Neuseeland, die gerne alle paar Jahre mal nach Deutschland fahren. Aber ich muss sagen, ich muss das nicht haben. Klar gibt es Gründe wie Hochzeiten, runde Geburtstage der Eltern und auch weniger erfreuliche Anlässe, zu denen man annreist, weil man dran teilhaben will. Aber einfach nur so, würde ich momentan nicht nach Deutschland fliegen. Natürlich ist Deutschland meine Heimat, aber eigentlich zieht mich nichts dort hin.

Später, wenn unsere Kinder Teenager sind möchte ich mit ihnen gerne mal nach Deutschland fliegen um ihnen das Land zu zeigen, wo wir ursprünglich herkommen. Irgendwie ist es schon wichtig, dass sie einen Bezug zu Deutschland und der deutschen Kultur haben. Schließlich wachsen sie hier in Neuseeland in einer komplett anderen Welt auf.