Erfahrungsbericht von Neuseeland Auswanderern Franzi und Daniel: Sie leben den Traum vieler Auswanderer: Sie sind Besitzer einer Lodge in Kaiteriteri direkt am Abel Tasman Nationalpark. Innerhalb von 2 Jahren haben die beiden den Büroalltag in Deutschland gegen ein Leben mit 6 Zimmern, 12 Gästen, 2 Kleinkindern, 9 Hühnern, 5 Enten, einem Schwein und einer Ziege in Neuseeland getauscht.
Nach dem erfolgreichen Neustart in Auckland waren sie mutig genug mit dem Familienunternehmen Split Apple Lodge noch einmal etwas ganz Neues zu wagen. Ich hab Franzi in Nelson besucht und mal nachgefragt wie sie das alles geschafft haben.

Wart ihr vor der Auswanderung schonmal in Neuseeland?

Ich habe 2006, während meines Studiums schon für mehrere Monate in Auckland gelebt. Von hier aus habe ich viel vom Land erkundet. Meine Mutter sagt mir bis heute, ich hätte nach wenigen Tagen angerufen und gesagt: ‘Mama, hier will ich mal leben!’. Nur das WIE war mir damals noch nicht klar.
Daniel war bis 2015 noch nie in Neuseeland, auch wenn es immer auf seiner Bucket-List stand. Naja, und dann sind wir im Februar 2015 auf Erkundungsreise hergekommen, bereits mit der Idee im Kopf, länger oder gar ganz zu bleiben.

Franzi mit den Zwillingen Emil und Anton

Franzi mit den Zwillingen Emil und Anton

Wann hattet ihr die Idee auszuwandern und warum nach Neuseeland?

Die Idee auszuwandern ist nicht als solche plötzlich da gewesen, das war eher ein Prozess. Wir waren mit der Situation als Familie in Deutschland nicht zufrieden. Daniel hat als selbstständiger Anwalt ununterbrochen gearbeitet, ich hingegen saß nur noch mit den Kindern zu Hause. So gerne ich Mutter war, mit den Zwillingen blieb überhaupt keine Zeit mehr für mich, für uns und für Freizeit. Nach über zwei Jahren waren wir einfach platt.
Ich wollte gern wieder etwas unabhängiger sein, zurück in den Beruf – und Daniel wollte gern mehr Zeit mit den Kindern verbringen. Irgendwann kam uns dann die Idee, die Rollen zu tauschen … und nochmal ins Ausland zu gehen. Wenigstens für eine Weile.
Naja, und da lag Neuseeland (so weit es auch weg ist) nahe, denn hierher wollte ich schon immer zurück. Daniel wollte schon immer her – und damit war sie dann da: Die Idee. Das war im September 2014.

Im Mai 2015 kamen wir in Auckland an: Vier One Way Tickets*, zwei Koffer und zwei Kinder. Das war zu dem Zeitpunkt schon so ziemlich alles, was wir noch hatten. Unsere ganze Habe hatten wir in Deutschland verkauft um mit dem Erlös einen Neustart in Neuseeland zu wagen. In den wenigen Monaten zwischen Idee und Abflug ist viel passiert. Daniel hatte ein Studienplatzangebot für eine Fortbildung im Rechtswesen von der Uni Auckland. Ich, als begleitende Ehefrau, hatte dadurch ein Open Work Visa . Naja, und mit dem Work Visa in der Tasche war es relativ leicht für mich, einen Job als Marketer zu finden. Marketing boomt in Neuseeland und motivierte, erfahrene Marketer aus Europa werden gerne eingestellt.

*Anmerkung am Rande: Um mit einem One-Way-Ticket nach Neuseeland einreisen zu können braucht man ein Work Visa, Residence Visa oder Student Visa. Mit einem Touristenvisum geht das nicht.

Welchen Beruf hattet ihr in Deutschland?

Daniel war in Deutschland Rechtsanwalt. Damit kann er hier in Neuseeland zwar nicht arbeiten, aber sein Abschluss ist bei den hiesigen Universitäten anerkannt und mit einer gewissen Mindestanzahl an Punkten ermöglicht das die Zulassung zu einen Master of Law Studiengang. Ich habe Publizistik in Wien studiert und als PR-Beraterin gearbeitet.

Die atemberaubende Landschaft im Abel Tasman Nationalpark

Die atemberaubende Landschaft im Abel Tasman Nationalpark

Bekommt man denn ein Residence Visa (dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung) wenn man eine Lodge übernimmt? Oder wie habt ihr das mit dem Visum gemacht?

Nein bekommt man nicht. Das wäre schön, ist aber total aussichtslos. Wir haben unsere Residence Visa schlichtweg durch meinen Marketing Job in Auckland bekommen. Ich habe dort in einer grossen Agentur gearbeitet und nach viel Papierkram alle Erfordernisse erfüllt: Eine in Neuseeland anerkannte Ausbildung von einer in Neuseeland anerkannten Universität, einen unbefristeten Job in Neuseeland bei einem anerkannten Arbeitgeber, mit einem erreichten jährlichen Mindestgehalt, polizeiliche Führungszeugnisse, Sprachtests, Gesundheitszeugnisse inklusive Röntgenbilder und und und.
Der Stapel an Dokumenten war haushoch. Am Ende hat alles gepasst und wir durften uns die Stempel abholen. Ich habe danach noch ein gutes Jahr weiter in der Agentur in Auckland gearbeitet, bis ich mich als Marketing-Beraterin selbstständig gemacht habe. Das war dann ein ausschlaggebender Grund für uns, in eine ländliche Gegend zu ziehen. Sonst hätten wir uns die ganze Nummer wahrscheinlich nicht getraut.

War es schwer für Dich einen Job in Neuseeland zu finden?

Ich hatte unfassbares Glück. In Deutschland hatte ich über 45 Bewerbungen an Unternehmen geschrieben und keine einzige Einladung zum Vorstellungsgespräch bekommen. Mit zwei Kindern unter zwei Jahren im Lebenslauf – ein totaler Flop.
Dann habe ich ein paar initiativ Bewerbungen an neuseeländische Firmen geschickt. Schon 48 Stunden später hatte ich drei Skype Interviews. Drei Wochen später waren wir auf dem Weg nach Neuseeland: Vier Wochen Erkundungstour. Der Urlaub fing mit sieben Job-Interviews in Auckland an. Drei Wochen später hatte ich dann drei Jobangebote und fand mich in der für deutsche Verhältnisse recht ungewohnten Situation, meine Konditionen zu verhandeln und mir den besten Job herauszupicken zu können. Marketing boomt in Neuseeland.

Warst Du in Neuseeland als Du Dich beworben hast oder hast Du das von Europa aus gemacht?

Sowohl als auch. Ich habe aus Deutschland angefangen, mich zu bewerben. Die Interview die daraus entstanden sind fanden über Skype statt, das war sehr entspannt. Als wir dann hier waren habe ich persönlich Gespräche vor Ort geführt, was nochmal effektiver war. In Neuseeland ist der Jobmarkt schnelllebig – anders als in Deutschland. Zwischen dem Vorstellungsgespräch und dem erstem Arbeitstag liegen manchmal nur 5 Tage*. Da ist es definitiv besser, schon vor Ort zu sein.

*Anmerkung: Hat man kein Visum mit dem man arbeiten darf muss man natürlich erst sein Visum beantragen bevor man den Job antreten kann.

Habt Ihr Euere Visa mit oder ohne Auswanderungsberater beantragt und würdest Du es heute wieder so machen?

Mit Auswanderungsberater. Und ich würde es jederzeit wieder genauso machen. Peter Beiner hat uns beraten: Schnell, verlässlich, grossartig. Ein Berater weiss einfach mehr, hat mehr Erfahrung, hat Kontakte und ist immer auf dem neusten Stand der Dinge.
Was Peter wusste, wäre mir im Traum nicht eingefallen. Und so schnell und professionell wie sein Team alle Unterlagen organisiert hat, das kann man gar nicht selber leisten. Einen Berater zu engagieren klingt immer so sophisticated und teuer. War es am Ende aber gar nicht, ich bin mir sogar sicher, dass wir durch Peter viel Geld gespart haben, das wir sonst für vergessene, falsch eingereichte oder andere komplizierte Dinge hätten ausgeben müssen. Und ich bin sonst wirklich jemand, der gern alles selber macht und organisiert. Aber Auswandern ohne Berater – das kam für mich nicht in Frage. Das Risiko, dass es scheitert nur weil ich etwas nicht weiss, vergesse oder übersehe wäre mir zu gross.

Die Split Apple Lodge am Abel Tasman Nationalpark

Die Split Apple Lodge am Abel Tasman Nationalpark

Ihr hattet Euch ja eigentlich in Auckland niedergelassen. Wie kam es dass ihr dann die Split Apple Lodge übernommen habt?

Wir haben Auckland als guten Startpunkt empfunden. Ausserdem hatte Daniel hier das Studienplatzangebot und ich gute Jobaussichten. Zum ‘ankommen’ und orientieren war es das Richtige: Gute Infrastruktur, viele interessante Leute, viele Auswanderer, viele Kulturen, leicht ‘reinzukommen’. Zuerst wussten wir ja noch gar nicht, ob wir überhaupt bleiben dürfen. Die Aufenthaltsgenehmigung gibt es schliesslich nicht geschenkt.
Als wir dann unsere Residence Visa hatten war klar: Wir bleiben hier! So wohl wie in Neuseeland haben wir uns als Familie noch nie gefühlt. Und ein Bed und Breakfast – naja, das war der ultimative Traum für ‘irgendwann’. Manchmal geht dann doch alles schneller als gedacht. Und irgendwie sind wir in die Lodge hier so ‘reingeschlittert’. Mit vielen Zufällen, viel Glück und etwas Wagemut sind wir nun hier!

Die Lounge der Split Apple Lodge

Die Lounge der Split Apple Lodge

Euere Lodge hat 6 Zimmer, Hühner, Ziegen und ein KuneKune Schwein. Das ist doch bestimmt viel Arbeit. Wie bist Du denn mit deinem Lifestyle hier in Neuseeland zufrieden?

Ich bin sehr zufrieden. Den wirklichen Unterschied hat aber nicht Neuseeland an sich gemacht, sondern der Wechsel vom ‘Einer-im-Buero-Full-Time-Einer-Full-Time-zu-Hause’ hin zum Familienunternehmen. Mama und Papa sind jetzt immer zu Hause, egal was kommt. Auch wenn unser zu Hause jetzt unsere Arbeit ist. Hühner, Ziegen und Schweine laufen so nebenbei mit. Wir bekommen frische Eier, haben gute Resteverwertung der Lebensmittel-Abfälle und Spielgefährten für die Kinder (ok, und uns: Ich kuschele auch ganz gerne mal mit unseren Viechern).

Das Lodge Business ist kalkulierbar: Von 6 bis 10 Uhr früh ist Hochbetrieb. Kaffee kochen, Frühstück vorbereiten, anrichten, nachfüllen, Rechnungen drucken, abkassieren, Gäste aus-checken. Gegen neun/halb zehn verlassen die Gäste die Lodge – entweder in Richtung neuer Abenteuer oder für einen Tagestrip. Dann geht das große Saubermachen los – Zimmer putzen, Lounge putzen, Staubsaugen. Wir haben immer zwei Work and Traveller, die mit uns leben, und uns zur Hand gehen. Allein wäre der Standard nicht zu halten und die Arbeit nicht zu schaffen. Wir legen grossen Wert auf Sauberkeit, ordentliche und liebevoll hergerichtete Zimmer, viele kleine Extras und haben ein Auge fuers Detail. Das kostet Zeit und geht leichter wenn man Hilfe hat. Bis Mittags sind alle hier beschäftigt, und nach einem gemeinsamen Mittagessen können wir durchatmen.

Nachmittags haben wir dann Zeit für Haushalt, Bürokram und natürlich auch Strand, Kinder und Garten. Abends checken dann neue Gäste ein. In der Regel gehen die Gäste aber zum Abendessen ins Restaurant. Abendessen bieten wir bisher (noch) nicht an – einfach aus Kapazitätsgründen.
Wir sind in unserem ersten Jahr mit der Lodge und haben noch viel vor … Aber wir müssen auch mit unseren Kräften haushalten. Es ist ein sehr schöner Job mit viel weniger Druck und Stress – aber mindestens genauso viel zu tun wie vorher. Irgendwas fällt immer an, in einer Lodge mit 6 Zimmer, 12 Gästen, 2 Kleinkindern, 9 Hühnern, 5 Enten, einem Schwein, einer Ziege und 3 Hektar Wald. Aber wir haben viel, viel mehr Spass als in unserem alten Leben.

Emil und Anton mit ihren Freunden

Emil und Anton mit ihren Freunden

Euere Zwillige waren bei der Auswanderung 2 Jahre alt und sind mittlerweile 4 Jahre alt. Wie haben die beiden das denn weggesteckt und wie sind sie mit der Sprache zurecht gekommen?

Wir hatten unheimliches Glück mit unserem ersten Kindergarten. Eine der Erzieherinnen hatte mehrere Jahre in Österreich gelebt und sprach daher deutsch. Wenn Emil und Anton in Sorge gerieten, traurig waren oder Eingewöhnungsprobleme hatten (aufgrund der Sprache und der Tatsache, dass es ihr erster Kindergarten war) konnte sie die beiden auf deutsch trösten. Das hat ihnen viel Sicherheit gegeben.

Und nach sechs Wochen sprachen sie Englisch und sangen englische Lieder. Mittlerweile sprechen sie beide Sprachen fließend und spielen oft miteinander auf Englisch. Zu Hause sprechen wir viel Deutsch mit ihnen, aber auch viel Englisch. Wenn ich sie frage, was sie lieber mögen, sagen sie: “Ganz klar. Deutsch. But English is as great as German. Actually, Mummy, ich weiss es nicht. Kann ich both sagen?”

Die Zwillinge Emil und Anton

Die Zwillinge Emil und Anton

Welche 3 Dinge gefallen Dir am besten am Leben in Neuseeland?

Landschaft. Leute. Lebenseinstellung.

Welche 3 Dinge aus Deuschland vermisst Du hier in Neuseeland am meisten?

Meine Eltern. Meine Freunde. Currywurst.

War es aus heutiger Sicht eine gute Entscheidung nach Neuseeland auszuwandern?

Definitiv. Die beste, die wir hätten treffen können! Ich habe es nur ein einziges Mal bereut und das war nachts um drei, nach dem schweren Erdbeben im November 2016.

Was fandest Du an der Auswanderung persönlich am schwierigsten?

Puh. Ich weiss nicht so recht. Schwierig war alles …oder eben auch nicht. Ich glaube es hängt viel davon ab wie realistisch man ist, wie gut vorbereitet, und wie hart man dafür arbeitet. Geschenkt wird einem nichts, schon gar kein Residence Visa. Wir hatten viel Glück, viel Erfolg und eine Menge Mut. Letzteres war wohl das Schwierigste: Den Mut aufzubringen, diesen Schritt zu gehen, es zu wagen, es durchzuziehen und keinen Rückzieher zu machen.

Welchen Ratschlag würdest Du jemandem geben der jetzt nach Neuseeland auswandern will?

Ich werde das oft gefragt, aber ich habe keine Antwort. Jede persönliche Situation ist so unterschiedlich, dass man genernell keine Ratschläge erteilen kann. Was ich immer sage ist: Lebenslauf schreiben, Auswanderungsberater kontaktieren und wenn der Chancen sieht – kämpfen. Kia kaha! [Ein Maori Spruch der frei übersetzt “sei stark” bedeutet].

Markus und ich haben Franzi und Daniel in Kaiteriteri besucht und auch bei Ihnen in der Lodge genächtigt. Es war wirklich toll dort: Natur soweit das Auge reicht, eine total entspannte Atmosphäre und der Abel Tasman Nationalpark ist quasi vor der Haustür.
Wer mal bei in der Split Apple Lodge bei den beiden absteigen will sollte aber rechtzeitig buchen. Während der Saison sind sie nämlich meist ausgebucht.

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