Von der deutschen, 1 Jahr dauernden, bezahlten “Elternzeit” können wir hier in Neuseeland nur träumen. Nach der Geburt meines ersten Kindes, habe ich bereits nach 4 Monaten Babypause wieder angefangen zu arbeiten. In Deutschland wäre das sicherlich ungewöhnlich so früh wieder zu arbeiten. In Neuseeland ist das ganz normal. Ich arbeite aber zum Glück von zuhause aus und nur 3 Tage die Woche. Meine Firma ist bei den Arbeitszeiten auch sehr entgegenkommend und ich kann mir meine Zeit (24 Std pro Woche) frei einteilen. Bei meiner Tochter habe ich dann 7 Monate ausgesetzt, bevor ich wieder arbeiten gegangen bin. Die Kinder gehen jetzt 4 Std pro Tag in die “Daycare” (Kindergarten/Kita). Die restliche Zeit sind sie bei Markus und mir. Markus ist selbständig und wir teilen uns unsere Arbeit so ein, dass das mit den Kindern funktioniert. Eigentlich total super.

Elterngeld in Neuseeland: Für Selbständige und Angestellte

Es gibt in Neuseeland für angestellte und selbständige Mütter (oder Väter bzw “Primary Carer”) 26 Wochen bezahlten Mutterschutz (“Paid Parental Leave”stand 2021). Diese 26 Wochen muss man an einem Stück nehmen, kann aber Prinzip frei wählen wann man sie nehmen will. Es ist hier quasi üblich bis zur Geburt zu arbeiten – ich hab dann einfach vor der Geburt noch alle meine normalen Urlaubstage genommen. Das Geld für Paid Parental Leave soll zwar im Prinzip das Einkommen ersetzen, ist aber bei ca 500$ pro Woche (brutto) gedeckelt. Zusätzlich hat man als Schwangere noch das Recht auf 10 Tage unbezahlten “Special Leave” für Termine mit der Hebamme oder Ultraschall-Termine.

Elterngeld in Neuseeland: Leider nur 26 Wochen

Nach 26 Wochen muss man nicht unbedingt sofort wieder arbeiten gehen. Wer vor der Geburt des Kindes mindestens 12 Monate in der selben Firma gearbeitet hat (12 month criteria) kann bis zu einem Jahr aussteigen und der Job muss offen gehalten werden. Geld vom Staat bekommt man aber nur für die 18 Wochen Paid Parental Leave. Natürlich gibt es 1000 Sonderregelungen zu diesem Thema. Die kann man auf der Website von Employment New Zealand oder auf diesem Übersichtsblatt nachlesen.

Bei der Kinderbetreuung muss man ganz klar sagen, dass uns in Neuseeland die Großeltern natürlich fehlen werden. Die leben nunmal in Deutschland. Hier versuchen wir uns mit anderen Auswanderern, die in der gleichen Situation sind, zusammen zu tun.

In Neuseeland gibt es viele Kitas, die Babies schon ab 6 Wochen nehmen. Aber die meisten Kinder sind schon deutlich älter wenn sie in die Kita kommen. Hier in Gisborne kostet Kinderbetreuung ca 6$/Stunde. Ich nehme mal an, dass das in größeren Städten teuerer ist. Ab dem 3.Lebensjahr gibt es für alle Kinder 20 Stunden pro Wochen kostenlosen Kindergarten vom Staat gesponsort. Ab 5 Jahre gehen die Kinder ja dann von 9- 15h in die Schule.

Verglichen mit dem deutschen Elterngeld sind die 18 Wochen bezahlter Mutterschutz hier sehr dürftig, aber trotzdem gibt es in Neuseeland viel mehr Kinder als in Deutschland ( 2,15 Kinder pro Frau in Neuseeland und 1,39 Kinder pro Frau in Deutschland). Ich denke das liegt daran, dass man als Frau in Neuseeland nicht so viele Steine in den Weg gelegt bekommt.

In Deutschland ist es für eine Frau mitte 30 ohne Kinder ja quasi unmöglich einen Job zu finden, weil kaum ein Arbeitgeber sich auf eine Mitarbeiterin einlassen will die u.U. bald Kinder bekommen wird. Das wurde mir in Deutschland sogar so ins Gesicht gesagt. Hier in Neuseeland ist das anders: So war ich bis vor ein paar Monaten in meiner Firma mit über 100 Mitarbeitern die einzige Frau über 30 ohne Kinder. Wenn ich mich im Bekanntenkreis so umsehe scheinen neuseeländische Arbeitgeber gelassener mit dem Thema umzugehen und viele Frauen können ihre Arbeitszeiten auf ihre Kinder abstimmen.

Mutterschutz und Elterngeld in Neuseeland

Als Mutter in Neuseeland kann man tun was man für richtig hält: Zuhause bleiben oder nach ein paar Wochen wieder arbeiten gehen – beides ist gesellschaftlich total akzeptiert. In Deutschland wird man von der Gesellschaft ja entweder zur Rabenmutter oder zum Hausmütterchen deklariert -je nachdem ob man wieder arbeiten geht oder nicht.

Arbeitgeber sind in Neuseeland viel familienfreundlicher eingestellt

Zudem haben Kiwis generell nicht so viele Zukunftsängste wie die Deutschen. Das liegt nicht nur am Wohlstand sondern auch an der Mentalität. Außerdem ist hier in Neuseeland der Arbeitsmarkt nicht so starr wie in Deutschland und Kinder werden vom Arbeitgeber nicht als “Privatvergnügen” angesehen. Wie gesagt: Das ist mein Eindruck. Es mag da sicher in beiden Ländern Ausnahmen geben.

Aber auch sonst ist Neuseeland sehr kinder-und familienfreundlich. Markus und ich konnten zB nach der Geburt unseres Sohnes die Zahlungen für unseren Hauskredit für 3 Monate aussetzen -damit wirbt die Bank auf ihrer Website. In Auckland kostet der Eintritt für einen Erwachsenen im Schwimmbad 7$, für einen Erwachsenen + zwei Kleinkinder nur 5$. Viele Geschäfte haben eine Kinderspielecke und in Cafes und Restaurants wird man nicht schief angeschaut wenn das Kind mal schreit. In den Herrentoiletten in den Shopping-Malls gibt es Wickeltische und in Einkaufszentren gibt es meist auch eine kostenlose Kinderkrippe damit man als Etern ungestört Geld ausgeben kann. Und wenn ich mit dem Kleinen in der Stadt unterwegs bin gibt es überall ein freundliches Lächeln, man fragt mich wie alt er denn sei usw.

In Neuseelad gibt es Working for Families Tax Credits: So ähnlich wie ein einkommensabhängiges Kindergeld

Pauschales Kindergeld wie in Deutschland gibt es in Neuseeland nicht. Aber es gibt Working for Families Tax Credits. Wie das genau funktioniert weiß ich leider nicht, aber soweit ich weiß ist das eine finanzielle Entlastung für Geringverdiener die sich nach dem Einkommen richtet.