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9 Gründe nach Gisborne zu ziehen und einen es nicht zu tun

Wohnen und Hauskauf

Seit fast 7 Jahren leben Markus und ich nun schon in der Provinzhauptstadt Gisborne an der Ostküste der Nordinsel. Als wir 2011 ausgewandert sind hat es uns ja erstmal nach Auckland verschlagen und zu Anfang fanden wir es dort echt toll. Als sich aber unser Fokus in Richtung “Haus kaufen” und “Familie gründen” verschob war klar, dass in Auckland die Lebenshaltungskosten einfach viel zu hoch sind. Außerdem wurde die Stadt von Jahr zu Jahr voller (sehr viele Einwanderer lassen sich dort nieder).

Der Druck auf die Infrastruktur (zB Verkehr, Schulen, Krankenhäuser, Abwassersystem) wird durch das starke Bevölkerungswachstum immer größer und das macht die Stadt für uns einfach nicht mehr lebenswert. Wir haben beide vorher nie in einer kleinen Stadt gewohnt und hatten schon etwas Bammel, ob Gisborne (36.600 Einwohner) nicht zu klein und ländlich für uns ist. Aber heute sind wir mit unserer Entscheidung total glücklich und wir lieben das Leben hier. Ich bekomme immer wieder Anfragen von Auswanderer, die auch mit dem Gedanken spielen nach Gisborne zu ziehen und viele Fragen haben.

Da dachte ich, es ist an der Zeit mal einen ausführlichen Artikel über Gisborne und das Leben hier zu schreiben. Hier sind meine 10 Gründe warum Gisborne in meinen Augen eine tolle Stadt zum Leben ist.

 

Statue von Captain Cook, Kaiti Hill, Gisborne

Statue von Captain Cook (die mittlerweile wegen #Blacklivesmatter im Museum gelandet ist, Kaiti Hill, Gisborne

1. Viel Geschichte und viel Maori-Kultur

Als Captain Cook im Jahr 1769 hier in Gisborne mit seinem Schiff landete nannte er die Region aus einer Laune heraus “Poverty Bay” (Bucht der Armut). Der Name ist aber ganz und gar nicht Programm: Gisborne ist eine warme, sehr fruchtbare Region mit sehr viel Landwirtschaft und Weinbau. Leider haftet der Name “Poverty Bay” auch heute noch wie ein Makel an der Region. In der Vergangenheit gab es schon mehrfach Überlegungen den Namen zu ändern. Vor ein paar Jahren wurde eine Initative gestartet den Namen nun tatsächlich zu ändern. Der Schritt den Namen gleich komplett zu ändern war wohl zu groß.

Aber immerhin hat die Region jetzt einen Doppelnamen: “Tūranganui a Kiwa/Poverty Bay“. Ich denke und hoffe das ist nur der erste Schritt den Namen “Poverty Bay” komplett loszuwerden. “Tūranganui a Kiwa” ist der Name, den die Maori der Region schon vor der Ankunft von Captain Cook gegeben hatten und bedeutet soviel wie “der große Standort des Kiwa” (Kiwa ist ein Gott des Ozeans bei den Maori). Noch heute haben 45% der Bevölkerung Gisbornes Maori-Abstammung (Gesamt-Neuseeland 14.9%) und ihre Kultur ist in vielen Lebensbereichen deutlich spürbar… und damit meine ich nicht tanzende Maori in Baströckchen.

Gisborne ist übrigens die erste Stadt der Welt (die östlichste) die morgens die Sonne aufgehen sieht. Gisborne hieß ursprünglich “Tūranga” wurde aber 1870 nach dem Kolonialminister William Gisborne benannt. Der Gisborne District (Region Gisborne) trägt übrigens den schönen Namen Tairāwhiti, was übersetzt “die Küste, wo die Sonne schein” bedeutet. Wie passend!

2. Das warme, trockene Klima in Gisborne

Als verfrorene Europäer fanden wir zu Anfang das subtropische Klima in Auckland toll: Milde Winter und warme Sommer. Was uns erst nach und nach auffiel: Es ist total schwül und feucht in Auckland. Stellt man im Winter eine Kiste Bücher in die Garage, sind die im Frühjahr verschimmelt. Im Winter ist es in Auckland klamm und feucht und im Sommer maximal 24 Grad warm und super-schwül. Außerdem regnet es ständig weil die Ostküste nur 40km von der Westküste entfernt ist.

Gisborne Klima

Das Gebirge westlich von Gisborne hält uns den Regen und das schlechte Wetter vom Leib

Hier in Gisborne sind die Sommer lang und heiß und trocken (25 bis 30 Grad). Von November bis März laufen wir in Flip Flops und kurzen Hosen rum und es riecht nach Meer und heißem Sand. Regen kommt meist von Westen und da ist Gisborne durch eine Gebirgskette abgeschirmt.

Wenn es überall auf der Nordinsel regnet scheint hier meist trotzdem die Sonne. Im Winter wird es in den kältesten Nächten +5°C und tagsüber hat es +12° bis 18°C. Es regnet im Winter zwar viel, aber eigentlich scheint auch jeden Tag mal die Sonne. Wegen dem milden Klima ist Gisborne eine Weinbauregion und es wird auch sehr viel Obst und Gemüse hier angebaut. Vor allem Kiwis und Zitrusfrüchte.

3. Geografische Isolation: Gisborne ist ab vom Schuß

Gisborne, Neuseeland

Gisborne liegt ganz ab vom Schuß

Gisborne liegt ganz im wenig besiedelten Nordosten der Nordinsel und ist ziemlich weit weg von allem. Nur 3 State Highways verbinden die Stadt mit der Außenwelt: SH2 führt 2 Std lang über Serpentinen durch ein Gebirge ins kleine Nest Opotiki und dann an der Küste weiter ins 185 km entfernte Whakatane (Fahrtzeit knapp 3 Stunden). Der alternative Weg nach Whakatane ist der idyllische SH32 über das einsame East Cape (Fahrtzeit ca 6 Stunden). Die näheste Stadt im Süden ist Napier (214 km entfernt, ca 3 Stunden Fahrt).

Es kommt ab und zu vor, dass zB wegen einem Erdrutsch die eine oder andere Strecke stunden- oder tageweise gesperrt ist. Mag sich einsam anhören: Ich sehe diese isolierte Lage allerdings als klaren Vorteil: Nach Gisborne kommen nur Leute, die ganz bewußt hier her fahren. Wir sind eine Sackgasse und es gibt quasi keinen Durchgangsverkehr. Nur wenige Individualtouristen schauen sich das East Cape und Gisborne an. Von Bussen voller chinesischer Touristen und Massentourismus bleiben wir hier in Gisborne verschont. Da Gisborne die einzige Stadt weit und breit ist gibt es hier alle größeren Geschäfte die man so braucht: Bunnings,  Mitre10, Farmers, Briscoes, Warehouse, Harvey Norman, Noel Leeming, Cotton On usw. Markus und ich fahren alle paar Monate mal zum Shopping nach Whakatane, Tauranga oder Napier.

Aber was man vor Ort in Gisborne nicht bekommt kann man ja auch im Internet bestellen. Das Krankenhaus in Gisborne ist für die größe der Stadt gut ausgestattet (sowohl mit internationalem Personal als auch in Sachen Ausstattung). Wer hier nicht behandelt werden kann wird kostenlos ausgeflogen. Ich wurde zB während meiner ersten Schwangerschaft nur für eine Ultraschalluntersuchung bei einer Spezialistin mit einer Begleitperson kostenlos nach Auckland geflogen.

Ja, es gibt einen Flughafen: Wer es eilig hat kann in nur einer Stunde Flug in Auckland oder Wellington sein. Da gibt es mehrere Verbindungen pro Tag. Durch die isolierte Lage ticken die Uhren hier am East Cape noch etwas langsamer. Viele sagen, hier kann man noch das Neuseeland von vor 20 Jahren erleben.

Makororo Beach, Gisborne

Makorori Beach, Gisborne

4. Gisborne und der Laid Back Beach Lifestyle

Gisborne ist bekannt für seinen Laid Back Beach Lifestyle und eine beliebte Ferienregion bei den Kiwis. Wie gesagt: Hier ticken die Uhren etwas langsamer und darauf muss man sich einlassen. Im Sommer ist es schwer Handwerker zu finden, einfach weil die lieber Surfen oder Motocross fahren als zu arbeiten. Da liegen die Prioritäten etwas anders und wer hier deutsche Maßstäbe ansetzt wird sich nur ärgern. Im Supermarkt trifft man Leute die barfuß und im Schlafanzug unterwegs sind. Eigentlich interessiert auch niemanden was man an hat.

Neulich haben wir uns nett mit einem etwas abgerissenen Typen unterhalten. Sein T-Shirt war kaputt und wer weiß wann er zuletzt einen Friseur gesehen hat. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass er der Besitzer eines größeren Weinguts hier in Gisborne ist. Äußerlichkeiten sind den Leuten hier einfach nicht so wichtig. Die Stadt ist klein, die Menschen sehr herzlich und mir gefällt der lockere, unangestrengte Vibe hier. Wegen der ausgezeichneten Wellen tummeln sich auch viele Surfer in Gisborne: Und nicht nur Jugendliche. Da bewundert man ein paar Surfer beim profmäßigen Wellenreiten am Strand.

Wenn die dann an Land kommen und ihren Wetsuit ausziehen, muss man entsetzt feststellen, dass die jenseits der 60 sind. Auch die Surf Life Saver (Rettungsschwimmer) sind allgegenwärtig. Außerdem sieht man überall Kite-surfer, Stehpaddler, Kayaks, Bodyboarder und Hochseeangler: Alt und Jung frönt hier dem Wassersport. Wegen des guten Klimas wohnen hier auch ein Haufen reicher Leute. Die haben oft außerhalb Gisbornes an der Küste ein Sommerhaus. Rund um Weihnachten (Sommerferien) ist die ganze Stadt bis auf die letzte Scheune ausgebucht. Vor allem auch wegen dem Rhythm and Vines Music Festival, dass jedes Jahr vor Silvester mehr als 30.000 Festivalbesucher ins kleine Gisborne lockt.

 

5. Alles ist in 10 min mit dem Auto zu erreichen

Unsere Kita ist 800m entfernt, der Supermarkt 2km und der Strand 3km. Wollen wir ans andere Ende der Stadt oder an die Surf-Beaches fahren, die etwas außerhalb liegen, dann dauert das 10min. Die Einheimischen sagen, Gisborne ist die “sing 1 Song” Stadt: Man steigt ins Auto ein, und wenn 1 Lied im Radio gelaufen ist, dann hat man sein Ziel erreicht. Die gesamte Region Gisborne hat nur 2 Ampeln, die beide in der Innenstadt liegen.

Starkes Verkehrsaufkommen ist hier, wenn Du die Straße runter zum Kreisverkehr schaust und dir denkst: “Oh man, da stehen 3 Autos am Kreisverkehr… Dann fahr ich besser die andere Strecke”. Ich bin ein viel entspannterer Mensch geworden, seit ich nicht mehr so viel im Auto sitze.Wir hätten das nicht gedacht, aber die Stunden an Lebenszeit die wir nicht im Auto verbringen müssen machen sich echt bemerkbar.

Aussicht auf dem Lake Waikaremoana Great Walk

Aussicht auf dem Lake Waikaremoana Great Walk

6. Unverbrauchte Natur, tolle Strände, wenig Touristen und viel Platz

Die Region Gisborne ist in Sachen Tourismus noch relativ unerschlossen. Seit 2 Jahren kommen zwar im Sommer 10 bis 20 Kreuzfahrtschiffe für einen Tagesausflug vorbei aber sonst sieht man nur ab und zu mal einen dicken Miet-Campervan in der Stadt. Die Attraktionen die Reiseführer für Gisborne auflisten kann man an einer Hand abzählen. Aber das bedeutet nicht, dass hier nichts geboten wäre. Rund um Gisborne gibt es viele tolle kürzere Wanderwege (4 davon gelistet beim DOC), Weingüter, Aussichtspunkte (zB den Kaiti Hill), Freedom campgrounds (die hier unter dem Begriff “Summer Camping“) laufen und Wasserfälle die in keinem Reiseführer stehen.

Es gibt heisse Quellen,  man kann in Tatapouri Bay Stingrays mit der Hand füttern, es gibt unzählige Radwanderwege und das mit der Rere Rockslide hat sich ja mittlerweile rumgesprochen. Der Lake Waikaremoana Great Walk ist wirklich der Hammer und trotzdem noch nicht überlaufen. Man kann hier lecker essen und nett in Cafes sitzen (zB Peppers Beachfront oder Poverty Bay Club Cafe) oder im Smash Palace, Neuselands bestem Live Venue auf Konzerte gehen. Samstags gibt es einen tollen Farmers’ Market und man kann sich Donuts vom Donut Caravan holen.

Es gibt in der Region viel zu entdecken und tolle Unterkünfte(Vorsicht: Im Sommer chronisch ausgebucht)! Die Region versucht gerade sich unter dem Namen “Tairawhiti-Gisborne” bei Touristen bekannter zu machen. Vor allem die vielen Maori in der Region sollen angeregt werden mehr für Touristen anzubieten (denn das schafft ja auch lokale Arbeitsplätze).

7. Einen Job zu finden ist machbar

Oben am Cape gibt es kaum Industrie und nur wenig Jobs, aber in der Stadt sieht das aber ganz anders aus: Die Arbeitslosenquote liegt bei 4% und der Hafen von Gisborne fährt jedes Jahr neue Rekorde bei der Verschiffung von Holz, Kiwis und Gemüse. Wenn wir erzählen, dass wir nach Gisborne gezogen sind werden wir oft gefragt: “Was arbeitet ihr denn dort?”. Sicher besteht die lokale Wirtschaft hauptsächlich aus Landwirtschaft, Fischerei und Holzwirtschaft. Aber in einer Stadt mit über 36.000 Einwohnern gibt es natürlich auch sonst einige Möglichkeiten Arbeit zu finden.

Große Arbeitgeber in der Stadt sind das Krankenhaus/Gesundheitssektor und das Regional Council. Markus ist hier mit seinem eigenen Business als Fotograf sehr erfolgreich und ich arbeite ja remote für eine Firma in den USA: Von zuhause aus übers Internet.

Man hört immer wieder das Firmen in Gisborne echte Probleme haben qualifiziertes Personal zu finden. Viele lokale Firmen suchen zwar Mitarbeiter, schreiben die Stellen aber nicht aus, oder schalten nur eine Anzeige in der Zeitung. Ich kenne zB zwei deutsche Rechtsanwaltsgehilfinnen die beide im letzten Jahr unabhängig voneinander eine Festanstellung in Gisborne gefunden haben. Ja, es ist Eigeninitiative gefragt und man muss vielleicht länger suchen… Aber Arbeit gibt es in Gisborne auf jeden Fall.

Unser Garten

Unser Garten

8. Gisborne ist eine tolle Stadt für Familien

Für uns waren die Lebenshaltungskosten ein großes Argument: Wir müssen hier nicht so viel Arbeiten und können mehr Zeit mit den Kindern verbringen. Auch die kurzen Wege in der Stadt sparen uns enorm viel Zeit. Wie es schein sind nicht nur Markus und ich auf die Idee gekommen nach Gisborne zu ziehen um unsere Kinder groß zu ziehen: Momentan werden hier überall neue Kitas/Kindergärten gebaut und die Schulen bauen neue Klassenzimmer an um der Nachfrage gerecht zu werden.

Für eine so kleine Stadt gibt es in Gisborne auch eine relativ große Auswahl an guten privaten und staatlichen Schulen. Unsere Kinder sind noch klein deshalb kenne ich mit Kitas besser aus. Ein Highlights sind sicher The Farm Yard for early Learners, eine Steiner-inspirierter Kindergarten mit einem Streichelzoo, Gemüsegarten und täglichen Nature Walks und The Point, einer der neuen Kindergärten. Aber auch sonst ist für Kinder einiges geboten: Ob Judo, Trampolin Springen, Surf Life Saving, Bogenschießen, Surfen, MusikGymnastik … in Gisborne gibt es eigentlich für jede erdenkliche Sportart einen Club. Außerdem gibt es viele wirklich tolle Spielplätze, einen BMX-Track, einen fantastischen Skatepark und einen modernen Verkehrsübungsplatz der jederzeit zugänglich ist.

9. Gisborne hat Potential und entwickelt sich rasant

Wie gesagt, in Gisborne tut sich im Moment einiges: Es ziehen immer mehr Leute in die Stadt, die Know-How, Ideen und Geld mitbringen. Heutzutage können immer mehr Angestellte im Home Office arbeiten (so wie ich) oder gehen einer ortsunabhängigen, selbständigen Tätigkeit nach. Solche Leute kommen nach Gisborne um den tollen Lifestyle und das warme Klima zu genießen und müssen sich keine Gedanken um einen Job machen. Es gibt sogar zwei Coworking-Spaces der Stadt, gerade wird ein neues Schwimmbad gebaut. Die Bilbiothek is neu und modern und überall wird gebaut und renoviert. Der Tourismus steckt hier noch total in den Kinderschuhen und hat enorm viel Potential. Die Region hat so viel zu bieten, aber die Infrasruktur ist noch total unterentwickelt.  Aber so beliebt wie Neuseeland als Reiseziel im Moment ist, ist nur eine Frage der Zeit bis Investoren aufmerksam werden oder Einheimische was auf die Beine stellen.

Die Gentrifizierung ist in vollem Gange: Gisborne war lange Zeit im Dornröschenschlaf weil es geografisch so abgelegen ist. Heute hat es sich vom Geheimtip zum neuen Hotspot für Lifestyler, Surfer und Remote Worker gemausert. Seit der Corona Krise können viele Menschen von Zuhause aus arbeiten und dann spielt es keine Rolle mehr wie weit man weg ist.

Auch sonst hat man das Gefühl, dass sich die ganze Stadt entwickelt und neu erfindet: Am Stadtstrand wurde ein toller Plankenweg über die Dünen gebaut, der sich bei Spaziergängern großer Beliebtheit erfreut. Ein weiterer mehrere Kilometer langer Walkway quer durch die Stadt am Fluss entlang ist in Planung. Unser District Council hat ein schickes neues Gebäude bekommen und überall wird erneuert und umgestaltet. Das Gisborne Council nutzt gerne Facebook um die Bürger zu informieren.

Blick auf Waikanae Beach vom Kaiti Hill aus

Blick auf Waikanae Beach vom Kaiti Hill aus

Der Nachteil: Gentrifizierung und explodierende Hauspreise

Als wir 2014 unser Haus gekauft haben war Gisborne noch ein echter Geheimtipp. Nachdem wir monatelang den Immobilienmarkt beobachtet hatten konnten wir ein tolles, unrenoviertes Cottage mit 900qm Garten mitten in der Stadt für unter 200.000 NZD (!!) ergattern (etwa 120.000 EUR). Seitdem hat sich die Immobilienkrise in Neuseeland weiter verschärft und viele Leute sind wegen dem Preisdruck aus den großen Städten in die Regionen abgewandert. Die Hauspreise in Gisborne sind lange Zeit vor sich hingedümpelt, haben aber mitterweile stark aufgeholt.

Unser Haus wird heute von einschlägigen Webseiten (zB Homes.co.nz) auf einen Marktwert von 650.000 NZD geschätzt (unsere Renovierungen sind da gar nicht berücksichtigt). Das ist eine enorme Wertsteigerung, aber in meinen Augen erst der Anfang. Vor 10 Jahren lag der durchschnittliche Hauspreis noch bei 225,000 NZD (!!)  in 2021 liegt der durchschnittliche Hauspreis in Gisborne bei 695,000 NZD. 

Gisborne ist heute kein Geheimtipp mehr: Im Gegenteil! Wir beobachten, dass immer mehr Leute in die Stadt ziehen und derzeit eine regelrechte Gentrifizierung stattfindet. Viele Angestellte haben mittlerweile die Möglichkeit remote im Home Office zu arbeiten und damit ist Gisborne (das ja an sich ja nur einen sehr eigeschränkten Jobmarkt hat) plötzlich für hochqualifizierte Lifestyler attraktiv. Es ziehen gerade sehr viele junge Familien in die Stadt, Surfer aber auch ältere Leute, die sich hier zur Ruhe setzen wollen. Man kann momentan regelrecht zusehen wie ganze Strassenzüge auf einmal renoviert werden.

Die Hauspreise schießen in die Höhe und die eigentlichen Einheimischen können finanziell nur schwer mithalten, mit den Preisen die die Zugezogenen bereit sind zu zahlen. Auf Trademe und Realestate.co.nz kann man sich einen guten Überblick über das Angebot verschaffen. Tatsächlichen Marktwert und Verkaufspreise kann man auf Homes.co.nz nachschauen. An dieser Stelle muss ich auch deutlich sagen, dass Häuser zur Miete in Gisborne echte Mangelware sind.

Waikanae Beach, Gisborne

Waikanae Beach, Gisborne

Sicher ist Gisborne eine kleine Stadt mitten im Nirgendwo im hintersten Eck der Nordinsel und nicht jeder wird sich hier wohlfühlen. Das Nachtleben hält sich sicher in Grenzen und man trifft immer wieder die selben Leute. Für uns als junge Familie, und für mich mit einem Remote-Job, ist Gisborne genau das Richtige. Wir gehen im Sommer jeden Abend an den Strand, renovieren unser Kolonialhäuschen und uns fehlt hier nichts. Wenn ich meine Kinder manchmal so sehe denke ich oft: Man, hier wäre ich auch gerne Kind!

In Auckland hatten wir immer das Gefühl, dass wir als Einwanderer zu spät dran waren: Die Häuser waren schon teuer als wir ankamen und wir wäen auf keinen grünen Zweig gekommen. Hier in Gisborne waren wir vor 7 Jahren noch früh genug dran um ein Haus zu ergattern… Heute sind Häuser in Gisborne leider genauso unbezahlbar wie überall sonst in Neuseeland.

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