Letzten Oktober haben wir eine über 100 Jahre alte Villa in Gisborne gekauft. Diese Haus hat uns deshalb so gut gefallen, weil bisher niemand daran rumrenoviert hat. Man findet solche alten Häuser in Neuseeland schon öfters, aber meist sind sie total kaputt-renoviert. Oft wurden die Holzfenster in den 1980er Jahren herausgerissen und durch scheußliche Alufenster ersetzt oder der tolle Rimu-Holzboden wurde mit furchtbaren Korkfliesen oder Teppich beklebt.

Unsere Villa ist fast noch im Original-Zustand – was allerdings bedeutet, dass wir sie erstmal aus ihrem Dornröschenschlaf erwecken und von Grund auf renovieren müssen. Das war eine ganz bewußte Entscheidung: Erstens haben wir die Villa zum Schnäppchenpreis gekauft und so können wir alles nach unseren Wünschen gestalten. Leider haben wir nicht im Lotto gewonnen und damit die Renovierung nicht zum Fass ohne Boden wird, werden wir so viele Arbeiten wie möglich selbst machen. Auch die Materialien versuchen wir günstig zu beschaffen.

Neuseeland: Mangelwirtschaft wie in der DDR? Nein, heutzutage nicht mehr….


Eine Freundin die kürzlich aus Deutschland auf die Südinsel gezogen ist meinte, Neuseeland sein ein bisschen so wie die DDR im Südpazifik. Das hört sich im ersten Moment schräg an, aber ich muss ihr voll recht geben. Alles was man in Neuseeland kaufen kann muss erst mühevoll übers Meer hierher geschafft werden. Der Markt ist klein und Logistik eher schwierig und teuer. Das ist zB auch ein Grund warum es in Neuseeland bisher werder ALDI noch IKEA gibt. Man bekommt eigentlich alles, aber die Auswahl ist nicht gerade groß. Gerade Baumaterialien und auch Möbel sind hier im Vergleich zu Deutschland ziemlich teuer. Bekannte von uns haben hier ein Haus gebaut und dafür containerweise Material aus Deutschland importiert: Von der IKEA Küche bis zur Fassadenverkleidung von Hornbach. Selbst mit Zoll und Frachtkosten kamen die Sachen noch billger als lokal gekauft. Aber das ist uns zu viel Stress…

Wir ziehen zwar erst in ein paar Monaten in unsere Villa ein, aber es ist viel einfacher alles was wir brauchen hier in Auckland zu beschaffen und dann mit nach Gisborne mitzunehmen. Deshalb sind wir gerade total im Shopping-Fieber!

Wer antizyklisch kauft kann in Neuseeland viel Geld sparen

Trademe (das neuseeländische Ebay) ist dabei unsere Geheimwaffe. Auf den ersten Blick sind auch dort die Sachen ziemlich teuer, aber der Trick ist: Man muss sich antizyklisch verhalten. Der gemeine Kiwi ist ein spaßorientiertes und nur kurzfristig vorrausplanendes Wesen. Wer im Frühling ein Kayak oder ein Surfboard kaufen will, sollte besser in ein Geschäft gehen, denn auf Trademe zahlt man zu Beginn der Saison fast den Neupreis für ein gebrauchtes Wassersportgerät. Ganz anders im Winter: Mit etwas Glück kann man Wahnsinns-Schnäppchen machen!

Als letzten Monat, an einem sonnigen Spätsommer-Samstagnachmittag ein wichtiges Cricket Spiel im TV lief (und vermutlich kein einziger Neuseeländer am Computer saß) haben Markus und ich einen Luxus-Gasfireplace auf Trademe gekauft – für n’Appel und n’Ei. Es war noch warm draußen und der gemeine Kiwi kauft Heizgeräte erst dann wenn es kalt ist. Diese Strategie hat sich absolut bewährt und jetzt wo der Winter vor der Tür steht kauft anscheinend auch niemand Baumaterialien und Werkzeug.
Zu unseren bisher ergatterten Schnäppchen-Schätzen gehört zB eine neuwertige Einbauküche, 3 gleiche Granitarbeitsplatten in kashmere-weiß, ein Glas-Splashback, eine Dunstabzugshaube, ein 3,60 x 2,7m großer Einbauschrank mit Glas-Schwebetüren, eine Parkettschleifmaschine für unsere Holzböden, zwei Holzfenster, ein neuer Designer-Badezimmerschrank, eine Nailgun mit 5000 galvanisierten Nägeln, ein dicker Smartfridge, Edel-Laminat für das Waschaus/Gästezimmer und so weiter.

Jetzt haben wir wenigstens einen Grund alle paar Wochen nach Gisborne zu fahren … zum Glück haben unsere Freunde dort eine sehr sehr große Garage!