[März 2022] Zwei Jahre lang waren die neuseeländischen Grenzen dich: Während der Corona-Krise konnten nur neuseeländische Staatsbürger und Permanent Residents ein-und ausreisen. Und jeder musste eine zweiwöchige “MIQ” Managed Isolation (Zwangs-Quarantäne in einem Hotel nach der Einreise) durchlaufen. Die Zahl der MIQ-Plätze war sehr begrenzt und trotzdem sind zwischen März 2020 und März 2022 fast 230.000 Menschen nach Neuseeland eingereist und haben die MIQ durchlaufen. Viele Neuseeländer, die im Ausland gelebt hatten sind in der Krise heim nach Neuseeland gekommen.

Touristen, Geschäftsreisende und selbst Menschen, die ein gültiges Work Visa hatten, mussten draußen bleiben. Wer “nur” ein Work Visa oder Student Visa hatte und zum Zeitpunkt der Grenzschließung nicht im Land war (zB im Urlaub) hatte in vielen Fällen Pech.

Familien wurden getrennt und Menschen, die ihren Lebensmittelpunkt und ihren Wohnsitz in Neuseeland hatten konnten in vielen Fällen nicht wieder einreisen. Es musste alles schnell gehen: Das war wohl die einzige Möglichkeit, den Virus wirklich auszusperren und dabei musste die neuseeländische Regierung auch harte Entscheidungen treffen.

Aber auch während Corona-Krise sind Leute nach Neuseeland eingewandert. Die Film Industrie durfte Fachkräfte ins Land bringen und auch in anderen Bereichen sind wohl still und leise ein paar Leute ins Land gekommen.

Jetzt öffnet Neuseeland seine Grenzen wieder offiziell und damit hat man seit 2 Jahren jetzt erstmals wieder die Möglichkeit ganz normal als Tourist einzureisen und damit gibt es auch für viele Neuseeland Auswanderer die Chance einen Job und ein Visum zu bekommen.

Wie ist die Lage in Neuseeland?

Neuseeland hat die Corona-Krise wirtschaftlich erstaunlich gut weggesteckt. Natürlich sind einige Wirtschaftsbereiche, wie zB der Tourismus schwer getroffen, aber die allgemeine Wirtschaftslage ist sehr gut. Die Arbeitslosigkeit lag im Februar 2022 bei 3,2% – so niedrig wie seit 2007 vor der Weltwirtschaftskrise nicht mehr.

In vielen Bereichen spürt man deutlich den Fachkräftemangel, weil die Einwanderer einfach fehlen. Das geht soweit, dass zB hier in Gisborne, der AA (ADAC), wo man sein Auto zur WOF (TÜV Prüfung) fahren konnte, komplett schließen musste, weil er einfach keine TÜV Prüfer finden konnte. Jetzt steht man bei der einzigen Werkstatt in der Stadt wo man sich noch WOF (TÜV) holen kann, 3 Stunden in der Schlange.

Auch Ärzte, anderes medizinisches Personal und IT Fachkräfte werden überall dringend gesucht. Man kann sagen, dass in Neuseeland in 2022 jeder der körperlich und geistig dazu in der Lage ist, Arbeit hat.

Welche Einwanderer möchte Neuseeland?

Ein großes Problem in Neuseeland ist der Mangel an Wohnraum. Die Hauspreise sind zwischen März 2020 und März 2022 um ca 43% gestiegen und die Mieten sind vielerorts exorbitant gestiegen: Hier in Gisborne (eine kleine Stadt) muss man mittlerweile ca 600 NZD pro Woche Miete für ein annehmbares 3-Bedroom-House rechnen.
Viele Familien wohnen dauerhaft in Motels oder sind bei Verwandten untergekommen. Und natürlich triff diese Wohnraumkrise vor allem die ärmeren Menschen.

Seit Jahren versucht die Regierung gegenzusteuern und das Problem in den Griff zu bekommen. Allerdings mit wenig Erfolg. Wenn jetzt die Grenzen geöffnet werden und auch noch tausende von Einwanderern auf den Mietmarkt drängen, wird sich das Problem wohl noch weiter verschärfen. Als Einwanderer kann man ja leider nicht mehr sofort ein Haus kaufen, dh als Einwanderer muss man am Anfang mieten und in Sachen Wohnen auf jeden Fall Kompromisse machen.

 

Auch deshalb will die neuseeländische Regierung genau steuern was für Einwanderer ins Land kommen. Lange Jahre hat sich Neuseeland “billige” Fachkräfte aus dem Ausland importiert während die neuseeländischen Jugendlichen auf der Straße saßen. Es stellt sich tatsächlich die Frage, warum man zB einen Koch aus dem Ausland holen muss, wenn man doch innerhalb relative kurzer Zeit einen Neuseeländer zum Koch ausbilden könnte.

Das Problem ist, dass in Neuseeland so gut wie jede Ausbildung etwas kostet. Will man zB Patissier werden, dann geht man auf eine Art Fachhochschule, die richtig teuer ist. Deshalb arbeiten viele Neuseeländer nach dem Schulabschluss in ungelernten Jobs wie im zB Einzelhandel und machen gar keine Ausbildung oder Studium.

Die Labour-Regierung will es für junge Kiwis attraktiver machen, sich ausbilden zu lassen und hat bereits eingeführt, dass zumindest das erste Jahr einer Ausbildung kostenlos ist. Der Fokus liegt darauf, Fachkräfte im Land auszubilden, anstatt sie zu importieren. Und sicher haben während der Corona Krise auch viele Firmen aus der Not heraus angefangen Neuseeländer auszubilden. Hier kann man nachlesen, welche Langzeit-Strategie die neuseeländische Regierung mit ihrere Politik verfolgt.

Neuseeland ist aber sicherlich nach wie vor auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen. Bedarf besteht vor allem an hochqualifizierten Einwanderer mit entsprechender Berufserfahrung. Damit sind nicht nur Akademiker oder Ärzte gemeint. Auch Handwerker und andere Ausbildungsberufe, die Fachwissen erfordern sind sehr gefragt.
Dabei muss man erwähnen, dass es durch das Punktesystem unter Umständen sehr viel schwerer wird dauerhaft auszuwandern, wenn man über 40 Jahre ist.

Welche Berufe sind in Neuseeland gefragt?

Natürlich muss die Ausbildung/Studium in Neuseeland anerkannt sein und man braucht relevante Berufserfahrung. Aber auf gut deutsch: Je höher das Einkommen, desto besser stehen meiner Meinung nach die Chancen ein Visum zu bekommen. Dabei wird der neuseeländische Durchschnittslohn betrachtet (Stand März 2022:  56.160 NZD brutto pro Jahr oder 27 NZD/ Stunde) und wenn man weniger verdient kann man auf jeden Fall nur temporär im Land arbeiten.

Es gibt akkreditierte Firmen die ganz explizit Fachkräfte aus dem Ausland nach Neuseeland holen wollen und dürfen. Die stehen auf der Accredited employers list . Firmen, die auf dieser Liste stehen erfüllen verschiedene Kriterien, und sind nachweislich auf ausländische Fachkräfte angewiesen.

Wer nach Neuseeland einwandern will, sollte sich erstmal diese Liste anschauen, denn wer einen Job bei einer dieser Firmen von der Liste ergattert, hat es etwas einfacher an ein Visum heran zu kommen. Ärzte und medizinisches Fachpersonal können direkt auf den Webseiten der jeweiligen District Health boards nach passenden Jobangeboten ausschau halten.

Der Andrang wird groß sein!

Seit zwei Jahren konnte so gut wie niemand nach Neuseeland einwandern. Viele Menschen stehen schon in den Startlöchern und warten nur darauf, dass die Grenzen geöffnet werden.

Und Neuseeland hat in den letzten 2 Jahren auf sich aufmerksam gemacht: Die ganze Welt hat während der Corona-Krise ein Auge auf Neuseeland geworfen: Dieses kleine Land mitten im Pazifischen Ozean, das wegen seiner isolierten Insellage dem Corona Virus über lange Zeit trotzen konnte. Früher war es ein großer Nachteil für Neuseeland so weit entfernt vom Rest der Welt zu sein – heutzutage ist es eher ein Vorteil. Niemand kann ausschließen, dass sich die Pandemie wiederholt!

Hinzu kommt die politische Lage in Europa: Der Krieg in der Ukraine sorgt für große Unruhe und viele Menschen fühlen sich nicht mehr sicher. Heute sind viele Osteuropäer hervorragend ausgebildet und auch sie sind attraktive EInwanderer für Neuseeland. Auch viele Russen wollen ihr Heimatland verlassen. Neuseeland ist weltweit bekannt als ein klassisches Einwanderer-Land und die Menschen sind so mobil wie noch nie.

Auf jeden Fall konnte ich hier auf dem Kiwifinch Blog seit Februar 2022 einen großen Anstieg von Webseiten-Besuchern feststellen und auch mein Buch “Jobsuche und Bewerbung in Neuseeland” verkauft sich auf einmal wieder deutlich öfter.
Sicher hat man als gut ausgebildete deutsche Fachkraft gute Chancen in Neuseeland Fuss zu fassen, aber die Konkurrenz ist groß und die Kriterien, die man erfüllen muss um ein Visum zu bekommen sind nicht ohne. Es lohnt sich auf jeden Fall, sich vor der Auswanderung gut zu informieren.