Titelbild by Neonbrand (Unsplash.com)
In den letzten Jahren hat das Internet ja für viele Menschen ganz neue Möglichkeiten eröffnet, Geld zu verdienen. Manche Arbeitgeber finden es total OK, wenn ihre Angestellten von zuhause aus übers Internet arbeiten. In einigen Fällen arbeiten Leute sogar angestellt übers Internet, während sie die Welt bereisen. Alles was sie brauchen ist ein schneller Internetzugang.
Dann gibt es noch Blogger, Virtuelle Assistenten, Berater, Coaches, Texter, Authoren, Designer, Programmierer und alle möglichen anderen Leute, die ihr Geld mit selbständiger Arbeit Geld übers Internet verdienen.
Sie sind mit ihrer Arbeit ortsunabhängig und viele von Ihnen reisen. Sie tummeln sich längerfristig in Ländern mit günstigen Lebenshaltungskosten und warmem Klima wie zB Thailand oder Indonesien. Diese digitalen Nomaden bewegen sich aber Visa-technisch in einer gefährlichen Grauzone. In den meisten Ländern darf man mit einem Touristenvisum nämlich eigentlich gar nicht arbeiten. In Südostasien wird es wohl stillschweigend toleriert, wenn Touristen arbeiten, aber wie verhält sich das in Neuseeland?

Darf ich in Neuseeland übers Internet arbeiten?

Eine Frage begegnet mir immer häufiger: Darf man in Neuseeland eigentlich übers Internet für deutsche Kunden/Arbeitgeber arbeiten? Ich betone, dass ich kein lizenzierter Auswanderungsberater bin und hier keine verbindlichen Ratschläge geben möchte. Mir ist nur aufgefallen, dass immer mehr Leute die Möglichkeit haben ortsunabhängig Geld zu verdienen. Immer öfter kommen Touristen auf die Idee nach Neuseeland zu reisen und von dort aus ihrer Arbeit nachzugehen. Die Frage ist nur: Darf man das eigentlich? Weil ich beobachte, dass diese Frage immer häufiger aufkommt, wollte ich hier mal ein paar Fakten klarstellen.

Ein Tourist darf in Neuseeland nicht arbeiten

Um mit einem Visitor Visa (Touristenvisum) nach Neuseeland reisen zu dürfen, muss man laut Gesetz gewisse Kriterien erfüllen: zB muss man die Absicht haben, Neuseeland wieder zu verlassen, genügend Geld für die Reise besitzen und man muss einen Rückflug haben. Außerdem muss die Reise einen “legalen Zweck” haben. Was für Touristen ein legaler Zweck ist, wird hier auf der Website von Immigration New Zealand ganz klar definiert. Da ist die Rede von: “Holidaying, sightseeing, family and social visits, amateur sport, business consultation (Geschäftliche Verhandlungen oder Besuche), medical treatment oder guest of government visits”. Wer mit einem Visitor Visa nach Neuseeland einreist, darf also ganz klar nicht arbeiten! Und das gilt nicht nur für angestellte Tätigkeiten!

“W2.2.1 Definition of ‘work’
a) Work means any activity undertaken for gain or reward…
b) ‘Gain or reward’ includes any payment or benefit that can be valued in terms of money, such as board and lodging, goods (e.g. food or clothing) and services (e.g. transport).
Note: This definition does not require work as an ’employee’. It also covers self-employment.”

Aber was ist Arbeit? Wie ist das definiert?

In diesem Zusammenhang habe ich schon die abenteuerlichsten Rechtfertigungen gehört: “Ich nehme ja keinem Neuseeländer den Job weg”, “Ich arbeite doch für Deutschland, das hat doch mit Neuseeland nichts zu tun!” “Ich arbeite doch nur für Kunden in Deutschland” oder “Meine Firma hat ihren Sitz doch in Deutschland”. Auf der Website von Immigration New Zealand wird hier ganz klar definiert was “arbeiten in Neuseeland” ist:

“Arbeiten in Neuseeland” ist, wenn man auf neuseeländischem Grund und Boden einer Tätigkeit nachgeht, für die man eine Bezahlung erhält!

Nach dieser Definition “arbeitet” man in Neuseeland, wenn man auf neuseeländischem Grund und Boden einer Tätigkeit nachgeht, für die man Geld oder einen anderen geldwerten Vorteil erhält (zB auch Bezahlung in Form von Gütern, Unterkunft, Essen oder einer anderen Gegenleistung). Dort steht auch This definition does not require work as an ’employee’. It also covers self-employment. Es ist also ganz egal ob die Tätigkeit angestellt oder selbständig ausgeführt wird. Außerdem spielt es keine Rolle, ob man von jemandem bezahlt wird, der sich im Ausland befindet, oder von einem Neuseeländer. Wer auf neuseeländischem Grund und Boden einer bezahlten Tätigkeit nachgeht, der “arbeitet” und braucht dafür in meinen Augen ganz klar eine Arbeitserlaubnis!

Hier ein paar Beispiele

Die Yogalehrerin
Sie ist deutsche Staatsbürgerin und mit einem Touristenvisum eingereist. Sie will sich während ihrer Neuseeland- Reise ein bisschen Geld dazu verdienn, indem sie Yoga-Workshops für deutsche Touristen und Einheimische hält.

Der Programmierer
Ein deutscher Programmierer, der bei einer Firma in Köln in Festanstellung arbeitet, hat mit seinem Arbeitgeber einen coolen Deal ausgehandelt: Er darf 2 Monate lang von Neuseeland aus seiner Arbeit nachgehen. Er kann seinen Job von überall aus machen und braucht dafür nur einen Internetzugang. Sein Gehalt bekommt er weiterhin aufs deutsche Konto bezahlt. Während seiner Reise will er das WLAN in Cafes, Bibliotheken und mobiles Internet nutzen um an seinen Projekten zu arbeiten.

Die Eltern
Deutsche Eltern möchten Ihrer 6-jährigen Tocher unvergessliche 3 Monate in Neuseeland ermöglichen. Die Tochter hat die Möglichkeit 3 Monate in Nelson eine Montessori Schule zu besuchen und die Eltern kommen natürlich mit. Die Familie mietet sich für die 3 Monate ein kleines möbliertes Apartment und der Vater ist selbständiger Grafikdesigner. Er bekommt von seinen Kunden regelmäßig Aufträge übers Internet geschickt. Weil er seinen Laptop dabei hat kann er die Aufträge ganz bequem im Apartment abarbeiten, während die Tochter in der Schule ist.

Der Digitale Nomade
Er hat einen Travel-Blog und während seiner Reise berichtet er von seinen Erfahrungen in verschiedenen neuseeländischen Hotels und bei einer Bootstour. Dafür darf er kostenlos in diesen Hotels übernachten und wurde eingeladen die Bootstour umsonst mitzumachen (Bezahlung der Arbeit mit Gütern). Außerdem ist er Online-Business-Coach und hat wöchentlich Coaching-Sessions mit seinen deutschen Klienten auf Skype.

Housesitting und Woofing
Woofing und Housesitting ist laut Immigration New Zealand Arbeit, weil man einen geldwerten Vorteil für seine Arbeit bekommt. Sobald man für eine Tätigkeit bezahlt wird, handelt es sich um “Arbeit”. Dabei ist es ganz egal ob man mit Geld oder mit einer Unterkunft oder einem warmen Essen bezahlt wird. Hier erkläre ich die Problematik genauer.

So wie ich die Website von Immigration New Zealand lese, führen alle diese Personen auf neuseeländischem Boden eine bezahlte Tätigkeit aus und brauchen dafür eine Arbeitserlaubnis! Das einzige Visum, das mir bekannt ist, das dafür in Frage kommt ist ein Working Holiday Visa.

Mit einem Working Holiday Visa darf man in Neuseeland arbeiten

Leider gibt es für diese Personen keine mir bekannte Möglichkeit ein normales Work Visa zu beantragen. Work Visa werden im Allgemeinen nur an Fachkräfte vergeben, die für neuseeländische Arbeitgeber in Festanstellung arbeiten.
So wie es aussieht, ist der Gesetzgeber hier der Realität 10 Jahre hinterher. Es wäre wirklich gut, wenn es für solche Leute eine Möglichkeit gäbe ihrer Arbeit legal nachzugehen! Wer sich da genauer erkundigen möchte, sollte bei der zuständigen Behörde Immigration New Zealand anrufen oder einen lizenzierten Auswanderungsberater fragen.

Das merkt doch niemand

Ja, mag sein, dass man vielleicht davon kommt, wenn man illegal in Neuseeland arbeitet. Aber die Chancen erwischt zu werden stehen auch nicht schlecht.
Es gibt weitreichende Abkommen zwischen den OECD-Ländern zur Verhinderung von Steuerhinterziehung und die Länder tauschen da mehr Daten aus als man denkt. Es kann auch sein, dass man durch einen längeren Aufenthalt in Neuseeland steuerpflichtig wird usw
Natürlich sind die Grenzen fließend. Wer im Urlaub eine Geschäfts-Email liest oder beruflich mal telefonieren muss, arbeitet der schon? Wohl eher nicht. Die Frage ist: Wo zieht man da die Grenze?
Wer sich länger als 183 Tage in einem Zeitraum von 12 Monaten in Neuseeland aufhält wird auch automatisch in Neuseeland steuerflichtig. Wo man steuerpflichtig ist wird nicht unbedingt durch den Wohnsitz bestimmt, sondern durch den Aufenthalt bestimmt. Man zahlt dort Steuern wo man seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, und der bestimmt sich über die 183-Tage Regel – auch in anderen Ländern.
Die Neuseeländer mögen ein nettes, gastfreundliches Völkchen sein: Aber beim Thema Visum verstehen sie keinen Spaß. Ich würde vermuten, dass man auf jeden Fall deportiert wird, wenn man als Tourist beim Arbeiten erwischt wird. Das hat weitreichende Folgen auch bei Reisen in andere Länder.
Und ganz ehrlich: Ich finde es ziemlich bedenklich, wenn man in einem Land zu Gast ist und die dortigen Gesetze einfach übergeht. In den USA oder Saudi Arabien würde sich das niemand trauen…!

Der Grenzbeamte darf deinen Computer durchsuchen

Das Customs and Excise Act 2018 ist ein neuseeländisches Gesetz, das besagt, dass der Grenzbeamte bei der Einreise jedes elektronische Gerät durchsuchen darf. Hat der Zollbeamte einen Verdacht (bevorstehende Straftat etc), ist jeder Reisende ist verpflichtet den Pin für sein Handy, das Admin Passwort für seinen Laptop und den Pin für sein Tablet herauszugeben. Der Grenzbeamte hat das Recht alles auf dem Gerät anzuschauen: Den Kalender, die Kontakte, die Browser-History, Dateien, Dokumente.. einfach alles. Wer sich weigert, die Zugangsdaten herauszugeben kann mit einer Strafe von bis zu 5.000 NZD belegt werden. Und natürlich kann einem auch die Einreise verweigert werden, wenn man nicht kooperiert. Hier ein deutscher Artikel zu dem Thema bei Heise.

Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar. Wer sich über Visa für Neuseeland erkundigen will, sollte die Webseite von Immigration New Zealand lesen oder dort anrufen.