Die neuseeländische Rente heißt “Superannuation” und sie ist eher eine Art Alters-Grundsicherung. Eigentlich bekommt sie jeder Kiwi: Egal ob selbständig oder angestellt und egal ob man gearbeitet hat oder nicht. Im Moment ist jeder Kiwi berechtigt die neuseeländische Rente zu erhalten der:
– über 65 Jahre alt ist und
– ein neuseeländischer Staatsbürger ist oder den Permanent Resident Status hat und
– zum Zeitpunkt der Antragstellung in Neuseeland lebt und
– mindestens 10 Jahre in Neuseeland gelebt hat (nach dem 20. Lebensjahr und mindestens 5 Jahre davon müssen nach dem 50. Lebensjahr sein) In dieser Zeit muß man hier steuerpflichtig gewesen sein. Ob man gearbeitet hat oder nicht spielt keine Rolle.

In Neuseeland muss man keine Rentenversicherungsbeiträge bezahlen

Aus meiner Sicht als Deutsche ist das Erstaunlichste an der neuseeländischen Rente die Tatsache, daß man in Neuseeland keine Rentenversicherungsbeiträge bezahlen muss. Die Rente ist komplett aus Steuern finanziert und es wird einem kein Rentenbeitrag vom Lohn abgezogen.
Die schlechte Nachricht ist: Die Rente ist nicht besonders hoch (so um die 370 NZ$ pro Woche). Paaren wird eine gemeinsame Rente ausgezahlt und wer alleinstehend ist bekommt etwas mehr. Die genauen Sätze kann man hier nachschlagen.

Die neuseeländiche Rente ist beitragsfrei und aus Steuern finanziert

Da die Superannuation beitragsfrei ist, hat man aber jahrzehnte lang mehr Brutto vom Netto in der Tasche (siehe mein Artikel über Steuern und Sozialabgaben hier) . Ich finde da kann sich ja jeder selbst überlegen wie man sein Geld gewinnbringend anlegt um ein finanzielles Polster fürs Alter aufzubauen. Aus meiner Sicht ist das besser als die “Zwangsrente” in Deutschland bei der für meine Generation am Ende ja meist auch nicht mehr als eine Grundsicherung rausspringt.

Viele Neuseeländer die jetzt in Rente gehen besitzen das Haus in dem sie leben und oft noch ein oder mehrere Mietobjekte. Da lässte es sich mit dieser staatlichen Grundrente ganz gut leben. Neuseeländische Banken waren früher nicht besonders streng bei der Vergabe von Krediten und man konnte bis vor ein paar Jahren mit 0% Anzahlung Immobilien kaufen. So kauften viele Neuseeländer Mietobjekte und ließen sie von den Mietern abbezahlen. Doch die Zeiten wo die Banken einem Kredite hinterherwerfen sind in Neuseeland vorbei.

Auch in Neuseeland muss man privat vorsorgen

Die junge Generation kann sich nur noch teilweise ein Eigenheim leisten und bekommt auch in Neuseeland Begriffe wie “alternde Gesellschaft” und “private Vorsorge” um die Ohren gehauen. Das Demografieproblem ist aber in Neuseeland lange nicht so schlimm wie in Deutschland (siehe mein Artikel über Demografie in Neuseeland hier). Seit ein paar Jahren gibt es “Kiwi Saver”. Das ist eine private Altersvorsorge – sowas ähnliches wie die Riester Rente.

Jeder Bürger oder Resident der einen Job annimmt wird erstmal automatisch bei Kiwi Saver angemeldet (man kann sich aber abmelden wenn man will). Es wird ein wählbarer %-Satz (3%, 4% oder 8%) vom Einkommen automatisch auf dem Kiwi Saver Account angespart. Man hat nur Zugang zu dem Geld wenn man das Rentenalter erreicht oder ein Haus kaufen will.

Renter in Neuseeland spielen gerne Lawn Bowls

Viele neuseeländische Rentner arbeiten auch nach dem 65. Lebensjahr weiter. Entweder, weil sie ihren Job gerne machen oder aus finanziellen Gründen. Muß man als Rentner in einer größeren Stadt Miete bezahlen, ist die Rente nämlich sehr knapp. Wer weiter arbeitet hat aber keinerlei Rentenabzüge zu befürchten: Ausgezahlt wird ab 65 Jahre (Stand: 2015) egal ob man anderweitig Geld verdient oder nicht.

Auch hier gibt es wieder eine schlechte Nachricht: Bezieht man eine Rente oder Pension aus einem anderen Land wird diese sehr wohl gegengerechnet. Wer zB eine deutsche Rente bezieht bekommt vom neuseeländischen Staat meist gar keine Rente, weil die deutsche Rente angerechnet wird.
Der einzige Weg dieses Problem zu umgehen ist, die deutsche Staatsbürgerschaft abzulegen und sich seine in Deutschland gezahlten Rentebeiträge auszahlen zu lassen. Nur wer die deutsche Staatsbürgerschaft abgibt hat keinen Anspruch auf deutsche Rente mehr. Das muss man sich aber genaustens überlegen, denn das kann auch ein Draufzahlgeschäft sein. Der deutsche Staat hat nämlich einige Sonderregeln bei der Auszahlung der deutschen Rentenbeiträge eingebaut und die vom Arbeitgeber gezahlten Beiträge verliert man in jedem Fall.
Wie in Deutschland sollte man also auch hier in Neuseeland frühzeitig privat vorsorgen und sich Gedanken über die Altersversorgung machen. Mehr infos zur Superannuation gibt es hier.

Dieser Artikel gibt einen groben Eindruck wie die Rente in Neuseeland funktioniert, geht aber nicht auf Details ein. Ich bin kein Experte auf diesem Gebiet und alle Angaben aus diesem Artikel sind ohne Gewähr. Ob und wieviel Rente man in Neuseeland zu erwarten hat sollte jeder für sich selbst prüfen. Falls hier was falsches steht, könnt Ihr gerne einen Kommentar schreiben. Ich ergänze oder ändere gerne den Artikel wenn etwas nicht richtig ist.