Wenn man sich in Deutschland ein Haus oder eine Wohnung sucht, dann schaut man in erster Linie ob sie einem gefällt und berücksichtigt vielleicht man die Lage bzw das Stadtviertel. Hier in Neuseeland ist die Suche nach einer passenden Behausung wesentlich schwieriger und als Einwanderer mussten wir auch erst lernen worauf man dabei achten muss. Um einen Fehlkauf zu vermeiden haben wir gelernt Häuser anders anzuschauen – nämlich so wie die Kiwis.

In Neuseeland gibt es nicht nur “schlechte Stadtviertel” in denen normale Leute lieber nicht wohnen wollen sondern auch schlechte Straßen. Das bedeutet nicht, daß man dort nicht prima wohnen könnte oder dass man dort zwangsläufig ausgeraubt wird oder sowas. Markus und ich hatten uns auch Häuser in solchen Gegenden angeschaut und auch mit Nachbarn gesprochen. Vielleicht waren die Gärten dort nicht ganz so schön hergerichtet wie woanders, aber eigentlich schien alles ganz normal. Ich glaube wenn einer Gegend oder Straße ein gewisser Ruf anhaftet, dann können die Häuser dort noch so billig und schön sein – ein Kiwi will dort nicht wohnen. In solchen Gegenden gibt es oft viele runtergekommene Mietobjekte die dann nur als Investment gekauft werden.

Neuseeländer verkaufen ihr Haus in schnitt alle 7 Jahre

Vorsicht beim Hauskauf in Neuseeland

Neuseeländer kaufen ein Haus nicht für die Ewigkeit, sondern klettern im Laufe Ihres Lebens die Property-Leiter nach oben und verkaufen das Haus 3 bis 10 Jahre später meist schon wieder. Wir wollen ein Do-Up (renovierungsbedürftiges Haus) kaufen und es dann selbst renovieren und aufwerten. In Neuseeland zahlt man beim Verkauf des eigenen Hauses keine Kapitalertrags-Steuer. Mit so eine Hausrenovierung kann man also prima steuerfrei Gewinn machen. Geld in ein Haus in einer schlechten Gegend zu stecken ist total sinnlos, denn man wird den Wert des Hauses dadurch nicht erhöhen können. Wenn man durch eine Renovierung ein Haus aufwerten will, dann kauft man besser nicht in einer “schlechten” Gegend.

Gemessen an deutschen Standards sind die meisten älteren Häuser in Neuseeland bessere Gartenlauben: Auf einem flachen Pfahlfundament über der Erde stehend und komplett aus Holz gebaut. Die Holzständerwände sind von außen mit Holz (Weather Boards) und von innen mit Rigips verschalt. Ein Zentralheizung gibt es nicht und wenn sich bei geschlossenem Fenster der Vorhang im Wind wiegt, dann ist das durchaus normal. Das Leben in einem unisolierten Kiwi-Hozhaus ist im Prinzip Camping auf hohem Niveau – was in Auckland noch OK ist, aber auf der Südinsel holt man sich Frostbeulen.

Ein altes Kiwihaus lässt sich allerdings kostengünstig rundum isolieren – was Kiwis nur oft nicht für notwendig halten weil sie sind ja in kalten Häusern aufgewachsen.

Neuseeländische Häuser sind schlecht isoliert, deshalb ist die Lage extrem wichtig

In solchen Häusern lebt man auf jeden Fall “näher am Wetter” als in Deutschland. Sobald im Winter die Sonne morgens rauskommt wird es zB im ungeheizten Haus spürbar wärmer. Neuseeland ist ja sehr hügelig: Kauft man ein Haus an der sonnenabgewanten Seite an einem Hügel (die Südseite! Die Sonne steht ja im Norden) kann es sein, dass man den ganzen Winter im Schatten sitzt. Dann ist morgens beim Aufstehen die Raumtemperatur genauso hoch wie die Außentemperatur. Ich würde auch vermeiden ein Haus in der Nähe von Bush, Urwald oder Wald zu kaufen, denn da ist es immer feucht und damit auch kalt. Das gleiche gilt auch für Täler mit einem Bach oder sowas.
Das Haus auf das wir geboten haben ist zwar unisoliert, steht aber frei und den ganzen Tag in der Sonne und auf flachem Gelände. Wenn man es gut isoliert hat man also ein gutes, warmes Haus.

Die “alten” Stadtteile sind oft begehrt- und aus gutem Grund

Es liegt auch nahe, dass die ersten Siedler in Neuseeland sich genau überlegt haben wo sie ihre Häuser hinbauen. Die “alten” Siedlungsgebiete einer Stadt sind also meist die bessere Wahl. Neubaugebiete werden aus Platzmangel oft an Orten angelegt wo früher niemand hätte bauen wollen, zB in trockengelegten Sumpfgebieten oder schattigen Tälern.

Von unserem Hauskauf gibt es noch nicht viel Neues: Im Moment warten wir auf das Gutachten vom Building Inspector und auf den LIM Report. In der Zwischenzeit bleibt uns nicht viel übrig als zu warten und mit verschiedenen Banken zu verhandeln. So richtig freuen können wir uns glaube ich erst wenn alles unter Dach und Fach ist.