Wenn man mal einen Klischee-Rundumschlag wagen will könnte man sagen, die Kiwis halten die Deutschen für sehr gut organisiert, effizient und zuvelässig. Bei der Jobsuche kann das von Vorteil sein, es kann aber auch nach hinten losgehen – vor allem im Job. Als Deutscher ist man gewohnt, daß alles sofort umgesetzt wird und deshalb empfinden einen die relaxten Neuseeländer schnell als “Stressmacher”. Die Gangart ist hier eben doch etwas langsamer. Wenn auf eine Email vom Helpdesk 3 Tage keine Antwort kommt oder der Mensch am anderen Ende der Customer-Hotline auch nicht weiß was er machen soll, dann rollt man als Deutscher innerlich mit den Augen.

Eine deutsche Freundin von mir arbeitet in einem Technologie-Konzern hier in Auckland und wurde dort von den Kollegen gerne liebevoll “German-Police” genannt weil sie immer auf eventuelle Probleme, die auftreten könnten hingewiesen hat. So sind wir eben. Wir Deutsche sind immer auf alle Eventualitäten vorbereitet und machen uns Gedanken über alles. Kiwis tun das im allgemeinen nicht. Sie machen einfach drauf los und vertrauen darauf, dass alles gutgeht. Das tut es ja meistens auch.

Betritt man das Haus einen Neuseeländers werden schnell weitere Unterschiede deutlich: Kiwis die zur Miete wohnen haben sowieso keine Bilder an den Wänden hängen – man darf als Mieter ja keine Löcher in die Wand machen. Die Fenster im Haus haben keine Fensterbretter, folglich gibt es auch keine Topfpflanzen.

Die würden dem eh schon feucht-muffigen Klima im Haus eh nicht gut tun. Auf Möbel wird nicht viel Wert gelegt, denn man ist eh meist im “Great Outdoors” unterwegs und sie sind eher teuer. Wir Deutschen dagegen haben es zuhause gerne gemütlich und stellen uns kitschiges Deko-Zeugs in der Wohnung auf. Das kommt bei Kiwis eher selten vor.

Wo wir Deutschen gerne mit Ehrgeiz nach Besserem streben ziehen es die Kiwis lieber vor alle gleich zu sein. Tall Poppy-Sydrom nennen sie das hier. Blos nicht hervorstechen aus der Masse, eben Kiwi-Sozialismus. So fahren die meisten Kiwis den “universellen japanischen Gebrauchtwagen Baujahr 1998”. Meine Kollegen, die teilweise dreistellig verdienen fahren alle irgendwelche alten Toyotas und Nissans und machen sich nichts draus. Ich mit unserem “neuen Gebrauchten” Kleinwagen von 2006 habe mich schon fast etwas weit rausgelehnt…