Markus und ich haben einen coolen Home Renovation Workshop in Auckland besucht, der von einem deutschen Architekten gehalten. Johann Bernhardt lebt seit über 20 Jahren in Neuseeland und ist so eine Art Sustainable-Home-Koryphäe hier in Neuseeland. Am ersten Tag konnten wir schon einiges an Info über Isolierung usw mitnehmen, aber ich bin dabei auch wieder auf die Leaky Home-Sache aufmerksam geworden.

In den 1980er  und 1990er Jahren wehte in Neuseeland der frische Wind der Deregulierung. Märkte sollten sich selbst regulieren und der Staat zog sich aus vielen Bereichen zurück. Viele Gesetze und Richtlinien wurden einfach abgeschafft oder vereinfacht. In manchen Bereichen war das gut, in anderen weniger: zB in der Baubranche.

Viele Bauvorschriften wurden in Neuseeland abgeschafft

Im Building Act 1991 (Bauvorschriften), das 1994 in Kraft trat, fielen viele Vorschriften einfach weg und offizielle staatliche Trainingsprogramme für Handwerker und Builder wurden eingestellt. Jeder der einen Hammer halten konnte durfte große Bauprojekte annehmen und ausführen. Außerdem ging der Trend zu kastigen Häusern im Beton-Look mit flachen Dächern. Das in Kombination hatte verheerende Folgen für viele Häuslebauer. Viele Häuser wurden stümperhaft und fehlerhaft gebaut und der neue Baustil ohne Dachvorsprünge und Dachrinnen war sowieso anfällig für Wasserschäden.

Baustil der Leaky Home Phase

Zusätzlich gab es auch Probleme mit Baumaterialien. In Neuseeland werden Häuser ja nach wie vor vorwiegend aus Holzständerwänden gebaut. Ab 1994 musste das Bauholz nicht mehr zwingend behandelt sein (um es haltbarer zu machen) und wegen den Kosten wurde meist billigeres, unbehandeltes Holz verbaut. Hat nun ein solches Haus einen Wasserschaden verrotet dem Besitzer das Haus natürlich unter den Händen weg. Behandeltes Holz kann Feuchtigkeit zwar länger wiederstehen, wäre aber nach längerer Zeit genauso verrottet. Viele der betroffenen Häuser haben zB Risse, weil sich die Holzkonstruktion verzogen hat, wodurch nur noch mehr Wasser eindringt.

Ein weiteres Problem entstand durch die gerne verwendetet Styropor-Beton Außenverschalung der Häuser. Das war ein modernes Material aus Styropor mit einer wetterfesten Schicht aus Beton durch die das Haus isoliert wird. Leider war dieses Verschalungsmaterial nicht so wetterbeständig wie gedacht und wurde zudem auch oft falsch eingebaut (von den unqualifizierten Buildern). Die Folge waren Risse in der Fassade und noch mehr Wasserschäden. In Australien wurden zwar ähnlich Baumaterialien verwendet, dort regnet es aber lange nicht so viel wie hier in Neuseeland.

Es dauerte eine lange Zeit bis der Gesetzgeber bemerkte was für Auswirkungen die Deregulierung hatte und erst viele Jahre später (2004 bzw 2007) wurden die Gesetze wieder geändert. Viele Hausbesitzer blieben auf den Kosten ihrer Bauruinen sitzen. Vom Staat gab es nur wenig Zuschüsse um den entstandenen Schaden wieder gut zu machen. Viele der Bauunternnehmen von damals gingen Pleite und wie so oft schob jeder die Verantwortung von sich. Viele der kaputten Häuser mussten komplett abgerissen werden. Noch heute kann man immer mal wieder Häuser sehen, die von einer weißen große Plastikhaube umhüllt sind. Wenn man so etwas sieht handelt es sich mit ziemlicher Sicherheit um ein Leaky Home das repariert wird.

Um nie wieder verklagt zu werden schauen heutezutage die City Councils bei jedem Bauantrag und bei jeder Genehmigung extra genau hin. Alles wird haarklein geprüft und Bauherren werden reihenweise mit Regelreiterei und Erbsenzählen zu Weißglut getrieben.

Augen auf beim Hauskauf in Neuseeland!

Wer ein ehemaliges Leaky Home verkauft muss das beim Verkauf eigentlich ganz klar deklarieren. Wer vor hat ein Haus zu kaufen sollte in Neuseeland auf jeden Fall auf der Hut sein: Bei Immobilien die zwischen 1991 und 2007 gebaut wurden sollte man genau hinsehen und nicht die Katze im Sack kaufen.

Hier gibt es noch mehr Infos zum Thema Leaky Homes:
Leaky building syndrome FAQs
Leaky home guide