Auf den ersten Blick würde man nicht erwarten, dass Auswandern so furchtbar teuer ist. Bei einschlägigen TV-Serien sieht man immer wieder Leute die mit nur 4.000 EUR in der Tasche auswandern. Will man ohne finanzielle Rücklagen nach Neuseeland auswandern, kann das eigentlich nur schiefgehen.
Man muss zwar kein Vermögen nachweisen oder größere Geldbeträge besitzen, wenn man über die Skilled Migrant Kategorie (Fachkräfte) einwandern will, allerdings sollte man trotzdem ein ausreichend dickes finanzielles Polster mitbringen.

Lebenshaltungskosten während der Jobsuche

Der größte Kostenfaktor bei der Auswanderung sind sicher die Lebenshaltungskosten während der Jobsuche. Um in Neuseeland ein Visum beantragen zu können braucht man einen Job (unterschriebenen Arbeitsvertrag) der bestimmte Kriterien erfüllen muss. Da Bewerbungen aus dem Ausland meist gar nicht erst berücksichtigt werden, sollte man während der Jobsuche unbedingt vor Ort sein.

Wie man die Jobsuche angeht hängt natürlich von der persönlichen Situation ab: Als Single ohne Kinder kann man in Deutschland seine Wohnung auflösen, einfach nach Neuseeland fliegen und sich ein WG-Zimmer oder AirBnB suchen. Hat man Familie wird die Sache schon etwas komplizierter. Da würde ich die Kinder und den Hausstand auf jeden Fall in Deutschland lassen bis ein Job und damit das Visum gesichert ist.

Insider Tipps wie man bei der Jobsuche in Neuseeland möglichst schnell Erfolg hat gebe ich in meinem Buch: “Jobsuche und Bewerbung Neuseeland”  *

Letztens hab ich mir eine Folge der Auswanderer-Serie Goodbye Deutschland angeschaut. Im Allgemeinen bin ich kein Fan dieser Serie, denn dort wird meist alles überdramatisch dargestellt. Diesmal ging es um eine Familie mit 4 Kindern die nach Neuseeland ausgewandert ist … bzw es versucht.
Anstatt den höher qualifizierter Elterteil alleine in Neuseeland auf Jobsuche zu schicken, ist die gesamte Familie von Deutschland aus in ein großes, teueres Mietshaus nach Wellington gezogen. Ihren kompletten Hausstand hatten sie gleich im Container mitgebracht.

Einen Container nach Neuseeland zu schicken wenn man kein Work Visa oder Residence Visa hat ist nicht ratsam. Dann muss man nämlich 15% Mwst auf den gesamten Inhalt des Containers zahlen (auf Neu-und Gebrauchtware). Dann lebte die Familie dort in ihrem Mietshaus ohne ein laufendes Einkommen zu haben, während der höher qualifizierter Elterteil versuchte einen Job zu finden. Über 1 Jahr lang (!) blieb die Jobsuche erfolglos und die Familie hat in dieser Zeit Ersparnisse von über 80.000 EUR aufgebraucht.

Kosten Auswandern nach Neuseeland

Das ist natürlich schon ein extremes Beispiel wie man es NICHT machen sollte. Ich würde niemandem raten mit Kind und Kegel nach Neuseeland zu ziehen und ein riesiges Haus zu mieten ohne einen Job zu haben. Das wird auf jeden Fall sehr teuer.

Wieviel Geld unsere Auswanderung gekostet hat

Mein Mann und ich waren bei unserer Auswanderung 2011 noch kinderlos. Wir hatten nicht viel Geld und deshalb vorher bewußt Geld für die Auswanderung angespart. Als es losging hatten wir ein Budget von ca 20.000 EUR. Wir waren extrem sparsam und hatten sogar ein kleines Nebeneinkommen aus Deutschland, das weiterlief. Nur 18 Monate später hielten wir unsere neuseeländischen Residence Visa in Händen – die 20.000 EUR waren dann auch tatsächlich aufgebraucht.
Seitdem ist aber vieles teuerer geworden (Mieten, Visagebühren …). Ich denke heutzutage muss man da mehr rechnen.

Unsere Kosten-Aufstellung

Aber warum ist Auswandern so teuer? Die 20.000 EUR haben wir natürlich nicht auf einmal ausgegeben. Vielmehr sind es viele kleinere, aber unvermeidliche Ausgaben die sich dann schnell summieren.
Hier ein kurzer Kosten-Überblick:

Flüge nach Neuseeland für 2 Personen
Wenn man mit einem Touristenvisum einreist braucht man übrigens zwingend einen Rückflug. Wer einen kurzen Urlaubstrip nutzt um auf Jobsuche zu gehen, muß damit rechnen vielleicht öfter nach Neuseeland fliegen zu müssen bis er einen Job gefunden hat.

Visagebühren für alle Visa die wir nacheinander beantragt haben. Aktuelle Gebühren (Stand 2018) :
Working Holiday Visa 170 NZ$, Work Visa: 280 NZ$,
Antrag auf Residence Visa: Expression of Interest 680 NZ$, Residence Application 2505 NZ$, Immigration Levy 580 NZ$

Auswanderungsberater. Ja, den kann man sich eventuell sparen. Ich würde aber jedem raten einen Berater zu nehmen, denn der kennt alle Tricks und Kniffe, wie man auf dem schnellsten und günstigsten Weg zu seinem Visum kommt. Stellt man den Antrag alleine können schnell Fehler passieren und das wird dann erst recht teuer. Die meisten Auswanderungsberater bieten übrigens eine kostenlose Erstberatung an und die Preise der Berater zu vergleichen lohnt sich!

Medical Check ca 400 NZ$ pro Person (Kosten varieren je nach Arzt)

Englischtest, zB IELTS Test 385.00 NZ$ pro Person (schafft man die erforderliche Punktzahl nicht, muss man den Test wiederholen)

Papierkram: Beschaffung von Dokumenten für den Visa-Antrag, zB deutsches Führungszeugnis je 13EUR, internationale Geburtsurkunden etc

Übersetzungen von Dokumenten (zB Führungszeugnis, Nachweise für Berufserfahrung usw) durch einen anerkannten Übersetzer

Auslandskrankenversicherung für die Zeit bis man ein gültiges Visum hat und am neuseeländischen Gesundheitssystem teilnehmen kann. Die Kosten richten sich nach der Versicherungsdauer (ca 60 EUR pro Person pro Monat).

Lebenshaltungskosten während der Jobsuche. Die Mieten in den den größeren Städten sind happig. In Auckland muss man selbst für ein WG Zimmer 200 -300 NZ$ pro Woche rechnen. Das sind etwa 700 EUR pro Monat! Hinzu kommen natürlich noch Lebensmittel, Handy-und Internetkosten, Benzin usw

Notwendige Anschaffungen für den Anfang. Den Container mit den Möbeln kann man erst holen, wenn man ein gültiges Visum hat. Dann braucht der Container noch ca 2 Monate bis er in Neuseeland ankommt. Wir haben damals einige Dinge anschaffen müssen um diese Zeit zu überbrücken: Ein Bett, eine Matratze, einen Schreibtisch usw. Außerdem haben wir uns ein älteres Auto gekauft um mobil zu sein.

– Der Umzug nach Neuseeland mit Container

 

Kosten die eventuell noch dazu kommen können, die wir nicht hatten:

– Gebühren für die Anerkennung der deutschen Ausbildung
Damals als wir 2011 ausgewandert sind, wurden unsere beiden Berufsabschlüsse noch automatisch anerkannt. Heute muss man in den meisten Fällen eine teuere Anerkennung machen lassen (Stand 2018: 746 NZ$).

– Kosten für zusätzliche ärztlche Untersuchungen falls beim Medical Check etwas beanstandet wird.

– Falls der Partner des Hauptantragstellers den Englischtest nicht besteht muss man einen Englischkurs bezahlen. Je nach Testergebnis belaufen sich die Kosten auf mehrere tausend NZ$

Der größte und unvorhersehbare Kostenfaktor:
Die Jobsuche

Um es kurz zu sagen: Je länger man für die Jobsuche braucht, desto mehr Geld braucht man. Um bei der Jobsuche Erfolg zu haben muß man im Land sein. Aber ohne laufendes Einkommen zerrinnt einem das Geld zwischen den Fingern. Ich habe damals zum Glück nur 3 Monate gebraucht um einen Job zu finden. Hat man nicht viel Geld auf der hohen Kante, steht man bei der Jobsuche enorm unter Druck.

Darum finde ich es wichtig vorher zu recherchieren wie die Aussichten sind einen Job zu finden. Außerdem sollte man die Jobsuche gut vorbereiten. Findet man schnell einen Job, sind die Kosten für die Auswanderung überschaubar.

 

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