Neuseeland hat es im November 2016 mal wieder weltweit in die Nachrichten geschafft: Ein Erdbeben der Stärke 7,8 erschütterte das Land der Kiwis. Der kleine Ort Kaikoura auf der Südinsel liegt in der Nähe des Epizentrums und wurde durch massive Erdrutsche von der Außenwelt abgeschnitten. Zwei Menschen haben ihr Leben verloren, viele Straßen und Gebäude wurden zerstört oder beschädigt. Zum Glück sind die Schäden nicht so groß wie bei den Erdbeben 2010 und 2011 in Christchurch. Aber es gab noch lange Zeit Nachbeben.

Nicht jedes Erdbeben richtet Schaden an

Das Erdbeben war so stark, dass Markus und ich hier im ca 700km entfernten Gisborne nachts davon geweckt wurden. Wir lagen im Bett und es fühlte sich ein wenig so an wie als wären wir in einem Schlafwagen im Zug. Unser Bett schwankte merklich hin und her und das Haus knarrte ein wenig auf den Fundamenten. Wir haben ja bisher noch keine schlechten Erfahrungen mit Erdbeben gemacht und waren eigentlich ganz ruhig. Zwar schoss uns schon das Adrenalin durch den Körper, aber wir saßen einfach nur im Bett, unter der hin und herschwingenden Deckenlampe, und warteten dass es aufhört. Es war es ein sehr langes Beben: Es dauerte fast 2 Minuten.

Als es vorbei war schaute ich auf mein Handy: In der Geonet App kann man meist direkt nachschauen wie stark das Beben war. Ich war etwas irritiert weil nur ein Erdbeben auf der Südinsel aufgelistet war, aber keines in der Nähe von Gisborne. Da wir weit genug von der Küste wegwohnen und keine Angst vor Tsunamis haben müssen sind wir dann direkt wieder eingeschlafen.

Erbeben kann es in Neuseeland immer geben: Aber die meisten sind ganz schwach

Neuseeland tektonische Platten

By Alexrk [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Unser Wohnort Gisborne liegt genau an einer tektonischen Plattengrenze. Im Ozean vor der Küste von Gisborne schiebt sich die pazifische Platte unter die australische Platte und da gibt es manchmal Erdbeben. Ich habe gelernt dass es weiche, rollende und harte Erdbeben gibt. Ach ja und ganz langsame, unmerkliche Erdbeben gibt es auch. Hier in Gisborne gab es zuletzt 2007 ein größeres Erdbeben bei dem einige Gebäude beschädigt wurden. Waaas?? Und dort kauft ihr Euch ein Haus? Wie kann man denn da ruhig schlafen????

Um ein Gefühl für die Gefahr durch Erdbeben zu bekommen haben wir vor unserem Umzug von Auckland nach Gisborne mit vielen Kiwis gesprochen. Die meisten winken nur ab und meinen das sei alles halb so wild. Ja, es gibt immer mal Erdbeben, aber man lebt damit. Die meisten Erdbeben sind harmlos und verursachen keine Schäden. Und wenn etwas kaputt geht, dann meist Steinhäuser. Die Kiwis leben schon auch wegen den Erdbeben vorzugsweise in Holzhäusern.

Erdbeben? In Neuseeland sind die Menschen vorbereitet

Die neuseeländische Bevölkerung wird dazu angehalten sich aktiv auf Katastrophen vorzubereiten. Wir haben vor ein paar Wochen einen Invertor-Generator gekauft und in der Garage steht eine Notfallkiste mit Essen und Wasser für mehrere Tage bereit.

Da schlägt die deutsche Erziehung durch: Wir wollen ja vorbereitet sein. Gisborne ist eine kleine Stadt und ähnlich wie Kaikoura nur über 3 Straßen erreichbar die alle durch unwegsame Landschaft führen (na klar: wir leben ja in Neuseeland). Wenn es blöd läuft dann hat man halt vielleicht ein paar Tage keinen Strom.

Wir haben keine Angst vor Erdbeben

Ich fühle mich hier in Gisborne jedenfalls sicher und habe keine Angst vor Erdbeben oder anderen Naturkatastrophen. Unser Haus ist über 100 Jahre alt und ich denke mir immer wenn es jetzt schon so lange hier steht wird es die nächsten 50 Jahre auch noch halten. Klar es kann immer was passieren. Unser Haus ist natürlich versichert – auch gegen Erdbeben.

Auch in Deutschland leben die Menschen mit den Naturgewalten: Flüsse treten über die Ufer und es gibt Überschwemmungen, Berglavinen verschütten Dörfer und Sturmfluten treffen Küstenorte. Die Menschen leben trotzdem dort. Ist ja nicht so, daß einen das jeden Tag persönlich trifft.

Im Übrgen gibt es auch in Europa Erbeben: In Italien zB bebt öfter mal die Erde. Als vor kurzem Norcia, ein kleiner Ort in Mittelitalien von einem Erdbeben der Stärke 6,6 erschütterte wurde fielen die ganzen Natursteinhäuser dort in sich zusammen. In München war wegen diesem Erdbeben wohl niemand veränstigt. Norcia ist ca 800 km von München entfernt: Das ist ungefähr die gleiche Entfernung wie von unserem Wohnort Gisborne nach Kaikoura.
Auch in Baden-Württemberg und im Rheinland gibt es immer wieder Erdbeben. Das kommt nur nie in den Nachrichten weil man diese Beben kaum merkt.

Nein, wegen Erdbeben mache ich mir keine Sorgen. Klar, es gibt sie und man bereitet sich vor. Aber das Risiko dass mein Haus durch ein Erdbeben unbewohnbar wird ist schon ziemlich gering.
Viel mehr Angst hätte ich da wenn ich in Europa leben müsste: Angst vor den vielen, teilweise 50 Jahre alten Atomkraftwerken in Europa. Viele davon liegen in Osteuropa und sind in erschreckend schlechtem Zustand. Da lebe ich lieber mit ein paar Erdbeben und dafür atomfrei 🙂